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Medizinprodukteindustrie
12. eHealth-Konferenz von MedInform: „Standards für die elektronische Kommunikation durchgängig nutzen, um Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen“
24.02.2010 - 14/10
Ein weiteres wichtiges Thema bleibt neben der Standardisierung der Kommunikationswege die Optimierung der Beschaffungsprozesse zwischen Krankenhäusern und Lieferanten mit Unterstützung von eProcurement-Portalen, die ihr Dienstleistungsportfolio stetig erweitern. Vorhandene Standards, gute Dienstleistungsstrukturen: Warum sind die eHealth-Quoten dennoch eher gering? Für Wolfgang Plefka von Fresenius Kabi liegt das unter anderem an den zunächst entstehenden Mehrkosten im Krankenhaus und beim Lieferanten sowie an technischen Veränderungen durch einen System- oder Serverwechsel. Aufgabe aller Beteiligten sei es, mehr Transparenz über den Nutzen elektronischer Prozesse zu schaffen und das Prozessverständnis und die Bedeutung einer besseren Datenqualität stetig zu kommunizieren.
Peter Löbus, Erster Vizepräsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VKD) und Geschäftsführer des Klinikums Bernburg, sprach zu Beginn der eHealth-Konferenz von einer notwendigen Entwicklung, “in deren Verlauf wesentliche Geschäftsvorgänge in der deutschen Gesundheitswirtschaft und so auch im Unternehmen Krankenhaus auf eine elektronische Kommunikation, basierend auf modernsten IT-Strukturen, umgestellt werden.” eHealth-Netzwerktechnologien würden eine innovative Patientenversorgung auf hohem Niveau maßgeblich unterstützen. Der moderne Krankenhausbetrieb benötige daher ein innovatives und zukunftssicheres Informationssystem mit flexiblen Kommunikations- und Datenfluss-Strukturen. „Ein Datennetz zwischen Krankenhäusern, Ärzten, Kostenträgern, weiteren Leistungserbringern bis hin zu Dienstleistungsunternehmen und Lieferanten wird den Kommunikationsfluss zum Nutzen des Patienten beschleunigen”, so der Krankenhausmanager. Probleme gebe es beim Beschaffungsmanagement durch die unterschiedlichen Softwaresysteme ohne standardisierte Schnittstellen verbunden mit hohen Kosten bei Anpassungen. Hier müsse es zu einer Anpassung beispielsweise bei den KIS-System (Krankenhaus-Informationssysteme) geben.
Durch Praxisbeispiele aus Krankenhäusern und MedTech-Unternehmen beleuchtete die 12. eHealth-Konferenz vier Themenfelder:
> Klassifizierung und Produktstammdaten
> Auto-ID-Systeme (UDI, Barcoding, RFID)
> eProcurement: EDI und Plattformen
> Management von Patientendaten und Steuerung von Versorgungsqualität
Klassifizierung & Produktstammdaten
Nach Ansicht von Alexandra Aschauer, Managerin E-Commerce bei Johnson & Johnson MEDICAL, ist ein professionelles Stammdatenmanagement mit einem einheitlichen Standard erforderlich, um einen reibungslosen Datenaustausch auf elektronischem Weg zu ermöglichen. Als Standard habe sich das “GS1 XML”-Format zur Übermittlung von Produktstammdaten im Gesundheitswesen durchgesetzt. Die Umsetzung bei Johnson & Johnson MEDICAL erfordere allerdings globale Änderungen, da beispielsweise der Barcode von HIBC auf GTIN (EAN) umgestellt werden müsse. Dies werde rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. Eine einheitliche Aufbereitung und Übertragung der Produktstammdaten biete für alle Marktteilnehmer erhebliche Vorteile. Gleiches gelte für die Nutzung des Klassifizierungssystems eCl@ss. Es handelt sich um ein hierarchisch aufgebautes Klassifizierungsmodell, das zukünftig als Standard zur Klassifizierung von Medizinprodukten dienen soll. Die Nutzung ermögliche Einsparungen im Datenmanagement und biete die Möglichkeit der Produktdifferenzierung. Ihr Unternehmen habe im Jahr 2009 die Initialklassifizierung der 4-stufigen Hierarchie mit Unterstützung von GHX für insgesamt 25.000 Produkte durchgeführt. Der eKatalog wird bereits inklusive der 4-stufigen Hierarchie geliefert. Der Prozess zur Überleitung der Daten in alle Systeme sei implementiert. Derzeit sei man mit dem sehr umfangreichen Aufbau der Merkmalstruktur auf Produktebene befasst, so Aschauer.
Kai Becker, Projektleiter eProcurement bei der P.E.G. Einkaufs- und Betriebsgenossenschaft, berichtete über den aktuellen Stand der Umsetzung von eCl@ss. Die P.E.G. hat 200 Lieferanten, von denen aktuell 75 Lieferanten Kataloge mit eCl@ss haben. Weitere 30-40 Lieferanten haben eCl@ss bis Ende 2010 zugesagt. In sieben Workshops wurden bereits mehr als 300 Teilnehmer in dem System geschult. Gemeinsamer Handlungsbedarf bestehe bei der Pflege der Klassifizierung. Auch für Becker liegen die Vorteile von eCl@ss klar auf der Hand: Das System werde es ermöglichen, Medizinprodukte zukünftig neutral, eindeutig und umfassend zu beschreiben. „eCl@ss wird uns helfen, Produkte und Produktgruppen klar zu identifizieren und bietet umfassende Informationen für den strategischen Einkauf.” Sein Appell an die Lieferanten: „Eine hohe und umfassende Datenqualität ist im Interesse aller Beteiligten. Unterstützen Sie uns bei der Weiterentwicklung und der Pflege der Klassifikationsstruktur eCl@ss - für eine optimale Versorgung des Patienten.“
Auto-ID-Systeme
„Auto-ID-Systeme, also maschinenlesbare Codierungen, müssen global betrachtet werden“, so Volker Zeinar, Koordinator der Auto-ID-Themen bei B. Braun Melsungen. Er skizzierte den aktuellen Stand des neuen UDI-Kennzeichnungssystems für Medizinprodukte, das für jeden Hersteller bedeutsam werden wird. UDI steht für “Unique Device Identification” und soll als ein einheitliches maschinenlesbares Kennzeichen zusätzlich zu den bereits bestehenden Kennzeichnungspflichten für Medizinprodukte eingeführt und rechtsverbindlich gemacht werden. Ziel ist es, eine Basis für eine globale Medizinprodukte-Marktüberwachung zu schaffen, die Rückverfolgbarkeit von Produkten zu verbessern und Prozesse zu optimieren. Die Initiative stammt aus den USA, wo der US-Kongress 2007 die Entwicklung eines Systems beauftragte. Im Oktober 2008 gründete die Global HarmonizationTask Force (GHTF) eine entsprechende Arbeitsgruppe, so dass zu einem frühen Zeitpunkt auch europäische Interessen vertreten waren. Im November 2009 wurde der Entwurf einer “UDI Guidance” vorgelegt, der unter www.ghtf.org offen zur Kommentierung ist. Bestandteile des UDI-Systems sind ein UDI-Code mit einem statischen Teil zur Produktidentifikation sowie einem dynamischen Teil für variable Produktionsdaten wie Chargennummern oder Verfalldatum. Weitere Bestandteile sind ein Datenträger wie Barcode, Datamatrix oder RFID-Etiketten sowie eine UDI-Datenbank. Wichtig für eine vertretbare Umsetzung sei eine schrittweise Einführung der Kennzeichnungspflicht, abhängig von der Risikoklasse des Produktes. Eine komplette Implementierung des Systems ist derzeit noch nicht terminiert. Es wird damit gerechnet, dass die Umsetzung in der EU über den „Recast“ der Medizinprodukte-Richtlinie erfolgen wird. Die Pflicht zur Verwendung von UDI dürfte frühestens in fünf Jahren greifen. Dennoch sollten sich die Lieferanten auf jeden Fall frühzeitig mit dem Thema beschäftigen, so der Appell von Zeinar.
Prozessverbesserungen unter anderem durch Barcoding stellte AGKAMED-Geschäftsführer Dr. Oliver Gründel am Beispiel des Krankenhauses Landshut vor. Das Krankenhaus Landshut ist seit 2002 Mitglied bei der Einkaufsgemeinschaft AGKAMED. Gründel betonte die Bedeutung eines “SupplyChain Management” mit langfristigen Partnerschaften, koordinierten Kapazitäten und einem durchgängigen Informationsfluss. Die eindeutige Identifikation von Medizinprodukten sei dabei enorm wichtig für das Prozessmanagement. Lösungsansätze seien einheitliche Nummernsysteme, einheitliche Barcode und – zu einem späteren Zeitpunkt – RFID-Systeme. Prozessverbesserungen im Krankenhaus Landshut stellte Gründel am Beispiel der Herzkatheterlabore dar. Durch Anforderungen via HBS und eShop sowie einem Barcodescanner am Computer des Herzkatheterlabors konnten die Bestellprozesse beispielsweise durch deutlich weniger Übertragungsfehler optimiert werden. Außerdem sei nun eine klare Kostenzuordnung möglich. Das Projekt soll demnächst auf andere Funktionsbereiche wie die Endoskopie oder den OP-Bereich ausgeweitet werden. Wichtig sei die Integration der verschiedenen Systeme eShop/HBS, KIS-System (medico) und Warenwirtschaftssystem (AMOR 3), um Prozesskosten zu sparen.
eProcurement: EDI und Plattformen
Elektronische Beschaffungsprozesse aus Sicht der Medizinprodukteindustrie beleuchtete Wolfgang Plefka, Leiter HealthCare Logistics & Services (HLS) bei Fresenius Kabi Deutschland. Ein vom ihm vorgestelltes Praxisbeispiel mit der Gesundheit Nordhessen Holding AG zeigt, wie schnell eine Anbindung erfolgen kann. Ende August 2009 fand ein Abstimmungsgespräch mit dem Dienstleister HBS statt. Anfang September wurde die Schnittstelle eingerichtet. Mitte September wurden bereits die ersten Daten an Fresenius Kabi übermittelt. Fresenius Kabi ist dabei an alle vier eProcurement-Plattformen angebunden. Über GHX werden 429 Kunden erreicht, über HBS 39 und über GSG vier Unikliniken. Medical Columbus ist über Roaming via GHX angebunden. Das Umsatzvolumen über elektronischen Handel steigt dabei stetig, so Plefka. Die eCommerce-Quote von Fresenius Kabi Deutschland sei in den letzten 13 Monaten von rund 35 auf 47 Prozent gestiegen. Bei Kliniken und Apotheken liegt der Anteil bei derzeit 14 Prozent. Zum Thema eStandards bemerkte Plefka, dass Fresenius Kabi alle Verkaufsprodukte entsprechend der eCl@ss-Struktur 4-stufig klassifiziert habe. Die eCl@ss-Struktur werde im elektronischen Artikelkatalog bei HBS und GHX bereit gestellt. Zudem unterstütze Fresenius Kabi die GS1-Identifikationssysteme. Von den Krankenhäusern wünscht sich der Industrieexperte, dass die Chancen durch eCommerce besser erkannt und genutzt werden. Prozessverbesserungen würden sich durch eCommerce in starkem Maße realisieren lassen.
Aus Krankenhaussicht erläuterte Michael Bremshey, Leiter Materialwirtschaft der Katholischen St.-Johannes-Gesellschaft Dortmund, die Vorteile elektronischer Transaktionen. „Einsparungen werden nicht durch Reduktion der Artikelpreise sondern durch eine Optimierung der Prozessketten erreicht”, so der Krankenhausexperte. Das Potential an Einsparungen könne aber nur bei gleichzeitiger kritischer Prüfung der Organisationsstrukturen im Einkauf realisiert werden. Sein positives Fazit aus seinen Erfahrung mit elektronischen Beschaffungsprozessen: „Die Beziehungen zu den Herstellern werden durch eCommerce nicht geschwächt sondern intensiviert und ausgebaut.” Einheitliche Standards wie eCl@ss seien dabei für den Austausch von Daten für die Zukunft unabdingbar. Kritisch merkte Bremshey an, dass die Lieferanten beispielsweise bei den Themen eCl@ss, elektronische Rechnungen und Lieferavis ihr Engagement steigern müssten. Aktuell führt das Dortmunder Krankenhaus 40 Prozent des Umsatzes auf elektronischem Weg durch. 6.182 Bestellungen seien 2009 reibungslos elektronisch zum Lieferanten gelangt – bei einer Erfolgsquote von 99,65 Prozent. Im Frühjahr 2010 seien die Einführung von eCl@ss und die Integration der EPS-Leistungsmodule geplant.
Management von Patientendaten
Frank Reichenbach, Abteilungsleiter Materialwirtschaft im Universitätsklinikum Freiburg, betonte die Bedeutung von strategischem Einkauf und operativer Ergebnissteuerung sowie der Kostenträgerrechnung für den gesamten Beschaffungsprozess. Zentrales Steuerungsinstrument ist die Mitgliedschaft in der Einkaufsgemeinschaft Unico. „In enger Abstimmung mit der Unico werden Beschaffungsmarkt-, Lieferanten- und Spezifikationsanalysen permanent durchgeführt. Strategische Lieferanten sind gezielt aufgebaut und leisten einen wichtigen Beitrag für eine qualitativ hochwertige und ökonomische Patientenbehandlung”, so Reichenbach. Ein weiterer Mosaikstein: Im Rahmen einer Operativen Ergebnissteuerung (OES) sitzen alle Beteiligten – auch die ärztliche Seite – an einem Runden Tisch. OES besteht aus standardisierten Ergebnisgesprächen mit den Entscheidungsträgern der Klinik. Von großer Bedeutung sei auch die Einführung der “Kostenträgerrechnung“. Dadurch liegen den Entscheidungsträgern zeitnah Informationen über die Wirtschaftlichkeit einzelner DRGs zum Zweck der operativen als auch strategischen Ausrichtung des Klinikums vor. Kritisch merkte Reichenbach gegenüber den Lieferanten an, dass die Qualität der gelieferten Daten insgesamt unzureichend sei. „95 Prozent der gelieferten Templates müssen vor der EAN-Übernahme nach SAP überarbeitet werden.” Erschwernisse bei der Datenübernahme seien beispielsweise EANs mit falscher Prüfziffer oder eCl@ss-Nummern mit falscher Produkthierarchie. eCl@ass wird in der Uniklinik Freiburg seit dem vierten Quartal 2009 eingesetzt.
Wie müssen sich MedTech-Unternehmen in der künftigen „digitalisierten Gesundheitswirtschaft“ aufstellen? Dr. Meinrad Lugan, Mitglied des Vorstands der B. Braun Melsungen AG und BVMed-Vorstandsvorsitzender, hat eine strategisch klare Antwort: „Um weiterhin am Markt erfolgreich existieren zu können, ist die Weiterentwicklung vom reinen Produktlieferanten zum problemlösungs-orientierten Partner von äußerster Bedeutung.” Bei der Vernetzung aller Beteiligten werden „ganz dringend fehlerfreie, robuste Systeme benötigt“: „ambient technology“-Systeme, die auch von der Pflegekraft problemlos eingesetzt werden kann. Die Lieferanten müssten „eMarketing“ betreiben, das sich am Kunden Krankenhaus orientiert, so Lugan. Neben der Weiterentwicklung von Produkten stehe die Beteiligung an der Entwicklung von medizinischen und administrativen Lösungen zur Prozessoptimierung im Fokus. Dabei stelle das Management der Produktdaten eine Herausforderung dar. Transparenz sollte von den Lieferanten aber als Chance begriffen werden, “da eine zusätzliche Möglichkeit vorhanden ist, Qualitätsaspekte dem Markt darzustellen”, so Lugan. Auf die steigende Bedeutung des Themas eHealth hat B. Braun mit der Einrichtung einer “Stabsstelle eHealthCare” reagiert. Zu den Aufgaben gehört neben der internen Prozessoptimierung die Überbrückung sektoraler Grenzen durch Softwareverwendung, Softwarelösungen für ambulanten und stationären Gebrauch sowie das Bereitstellen und Weiterentwickeln von technischem Know-How.
In der abschließenden Podiumsdiskussion, die von BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt moderiert wurde, besprachen neben Lugan und Reichenbach Bettina Bartz von GS1 Germany, Alfons Rathmer von 3M Deutschland und Anton J. Schmidt, P.E.G-Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Beschaffungsinstitutionen in der Gesundheitswirtschaft Deutschland e.V. (BVBG), Lösungswege auf dem Weg zur elektronischen Gesundheitswirtschaft.
Hinweis an die Medien:
Druckfähiges Bildmaterial zur Konferenz kann im Internet unter www.bvmed.de (Bilder – Veranstaltungen) heruntergeladen werden.
Medienkontakt:
Manfred Beeres
Leiter Kommunikation/Pressesprecher
Tel: 030 246 255-20
E-Mail: beeres@bvmed.de
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