Medizinprodukteindustrie

2011-03: Glänzende Berufsaussichten im Wachstumsmarkt Medizintechnik

Gastbeitrag für FAZ Sonderveröffentlichung „Healthcare“, Februar/März 2011; Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, Berlin


Die deutsche Wirtschaft boomt wieder. Die Auftragsbücher sind voll. Mittlerweile sind zahlreiche Branchen vom Fachkräftemangel betroffen. Ingenieure und Naturwissenschaftlicher werden händeringend gesucht. Kaum eine Branche bietet ihnen dauerhaft so gute und spannende Perspektiven wie die Medizintechnik.

Wachstumsmarkt Medizintechnik

Die Medizintechnikbranche ist und bleibt ein weltweiter Wachstumsmarkt bleiben – und das weitestgehend unabhängig von Konjunkturzyklen. Dazu tragen unter anderem der medizinisch-technische Fortschritt, die demographische Entwicklung und der erweiterte Gesundheitsbegriff in Richtung mehr Wohlbefinden bei. Patienten fragen Leistungen rund um ihre Gesundheit immer stärker selbst nach und sind bereit, für bessere Qualität und zusätzliche Dienstleistungen mehr zu bezahlen. Die Folge all dieser Faktoren: Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird weiter steigen.

Innovationsstark und faszinierend

Die Medizintechnologie ist eine dynamische und hoch innovative Branche. Bei Patenten und Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die höchstens drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Ein weiterer Beleg für die Innovationskraft der Branche: Nach Angaben des Europäischen Patentamtes in München führt die Medizintechnik die Liste der angemeldeten Erfindungen im Jahr 2009 mit 16.400 Patenten an. Das sind 10,2 Prozent aller Patentanmeldungen. Danach folgen erst die elektronische Nachrichtentechnik und die EDV.

Medizinprodukte umfassen eine große Bandbreite von Produkten und Verfahren, die Leben retten, heilen helfen und die Lebensqualität der Menschen verbessern: Verbandmittel, Hilfsmittel, Verbrauchsmaterialien wie Spritzen, Katheter, Kanülen oder OP-Materialien, Implantate wie künstliche Gelenke oder Schrittmacher. Hinzu kommen bildgebende Verfahren, Labordiagnostik, Homecare-Dienstleistungen, Anwendungen der Nanomedizin und biotechnologische Verfahren, beispielsweise Tissue Engineering (Gewebeersatz).

Wichtige Säule: Über 170.000 Arbeitsplätze

Medizinprodukte leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag für eine effiziente Gesundheitsversorgung, sie sind auch ein bedeutender Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor. Die deutsche Medizintechnikindustrie beschäftigt derzeit in knapp 1.250 Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten pro Betrieb insgesamt 98.900 Menschen. Hinzu kommen annähernd 10.000 Kleinunternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten. Die Kernbranche beschäftigt damit insgesamt in Deutschland über 170.000 Menschen in über 11.000 Unternehmen. Weitere 29.000 Mitarbeiter sind im Einzelhandel für medizinische und orthopädische Güter tätig.

Etwa 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig – Tendenz steigend. Abgesehen von wenigen großen Unternehmen ist die Branche stark mittelständisch geprägt. 95 Prozent der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Attraktiv: Viele offene Stellen

Eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed), an der sich 94 Unternehmen beteiligt haben, zeigt: die Berufsaussichten in der Medizintechnik-Branche sind für Studienabgänger glänzend. Das gilt besonders für Ingenieure und Medizintechniker, aber auch für Marketingspezialisten im Allgemeinen. Kernergebnis der Umfrage: 96 Prozent der Unternehmen haben derzeit offene Stellen. Es gibt allerdings zunehmend Probleme, diese adäquat zu besetzen.

94 Prozent der Unternehmen gaben an, die Berufsaussichten für Ingenieure seien gut bis sehr gut. Bei Fachkräften lag der Wert sogar bei 98 Prozent. Offene Stellen gibt es vor allem im Vertrieb (66 der 94 Unternehmen), in Marketing und Kommunikation (35), Key Account Management (27) und Forschung & Entwicklung (24). Nur 4 Prozent der Unternehmen gaben an, derzeit keine offenen Stellen zu haben.

Nachwuchs gesucht!

91 Prozent der Unternehmen haben allerdings zunehmend Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das betrifft in erster Linie den Vertrieb, aber auch das Key Account Management und die Forschung. Defizite in der Schulausbildung sehen die MedTech-Unternehmen vor allem bei den Fremdsprachen sowie im Bereich Mathematik/Physik.

Knapp zwei Drittel der Unternehmen sind der Ansicht, dass eine Modernisierung der Qualifizierung im medizinisch-technischen Bereich dringend erforderlich ist, um mit dem Innovationstempo der MedTech-Branche Schritt halten zu können. Die medizintechnische Ausbildung müsse interdisziplinärer werden und die Bereiche Medizintechnik, IT und Krankenhausprozesse umfassen (79 Prozent Zustimmung). Eine größere Rolle sollten zudem betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Vermarktungsstrategien spielen.

Fazit:

Medizintechnik bleibt ein Wachstumsmarkt und ist auch in Krisenzeiten wesentlich stabiler als andere Branchen. Die Qualifikationsanforderungen sind hoch, aber die Perspektiven ausgezeichnet. Besonders Ingenieure und Naturwissenschaftler werden gesucht. Sie erwarten beste Bedingungen und gute Aufstiegsmöglichkeiten.


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