Medizinprodukteindustrie

2010-09: Wachstumsstarke Technologien: Glänzende Berufsaussichten in der Medizintechnik-Branche

Gastbeitrag für Going Public, September 2010

Die Medizintechnik-Branche in Deutschland gilt als besonders innovativ, wachstumsstark und zukunftsträchtig. Medizinprodukte umfassen eine große Bandbreite von medizintechnischen Produkten und Verfahren, die Leben retten, heilen helfen und die Lebensqualität der Menschen verbessern. Beispiele sind Geräte für Diagnostik, Chirurgie, Intensivmedizin, Implantate, Verbandmittel, Hilfsmittel oder OP-Material.

Die Welt der Medizintechnologien ist faszinierend. Kardiologische Implantate bringen schwache Herzen wieder in Rhythmus. Die Endoprothetik bringt kranke Gelenke zum schmerzfreien Bewegen. Künstliche Linsen und die refraktive Chirurgie bringen kranke Augen zum Sehen. Moderne Implantate und Geräte bringen taube Ohren zum Hören. Neue MedTech-Verfahren und -Produkte verbessern die Lebensqualität, ja sie retten und erhalten oftmals Leben.

Medizinprodukte leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag für eine effiziente Gesundheitsversorgung, sie sind auch ein bedeutender Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor. Die Unternehmen der Medizintechnologie tragen damit zu einer positiven Entwicklung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland bei. Moderne Medizintechnologien sind damit von dreifachem Nutzen:

1. für den Patienten, indem sie Gesundheit wiederherstellen und die Lebensqualität verbessern;
2. für den Beitragszahler, indem Sie Prozesse verbessern und effizienter gestalten;
3. für den Arbeitsmarkt, weil die Unternehmen der Medizintechnologie die Exportfähigkeit steigern und Arbeitsplätze schaffen.

Menschen vertrauen Medizintechnik

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Sommer 2010 tausend Bundesbürger über ihre Einstellung zu gesundheitlichen Themen. Ein Ergebnis ist, dass die Bürger der modernen Medizintechnik vertrauen. Dreiviertel der Deutschen glauben, dass die Medizintechnik eine entscheidende Rolle dabei hat, ihnen ein längeres Leben zu ermöglichen. In keinem anderen Lebensbereich wird der Einzug von Technik stärker begrüßt als in der Medizin: Mehr als 90 Prozent der Deutschen schätzen die Entwicklungen bei Vorsorge, Diagnose und Behandlung als positiv ein (Quelle: http://tiny.cc/b1z0w, Forsa-Umfrage im Auftrag von Philips, August 2010).

Ein weiterer Standortvorteil – über dieses generelle Vertrauen hinaus: Deutschland hat in den zukunftsträchtigen Innovationsfeldern der Medizintechnologie durch die große Zahl gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der klinischen Forschung beste Voraussetzungen, neue Produkte und Verfahren zur Marktreife zu führen. Wir haben durch die Universitätskliniken und die zahlreichen Kompetenzzentren in der Medizintechnik ein großes Wissen.

Über 170.000 Arbeitsplätze

Die deutsche Medizintechnikindustrie beschäftigt derzeit in knapp 1.250 Betrieben (mit mehr als 20 Beschäftigten pro Betrieb) 98.900 Menschen. Hinzu kommen annähernd 10.000 Kleinunternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten. Die Kernbranche beschäftigt damit insgesamt in Deutschland über 170.000 Menschen in über 11.000 Unternehmen. Weitere 29.000 Mitarbeiter sind im Einzelhandel für medizinische und orthopädische Güter tätig.

Etwa 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig – Tendenz steigend. Abgesehen von wenigen großen Unternehmen ist die Branche stark mittelständisch geprägt. 95 Prozent der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Viele offene Stellen, aber…

Eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed), an der sich 94 Unternehmen beteiligt haben, zeigt: die Berufsaussichten in der Medizintechnik-Branche sind für Studienabgänger glänzend. Das gilt besonders für Ingenieure und Medizintechniker, aber auch für Marketingspezialisten im Allgemeinen. Kernergebnis der Umfrage: 96 Prozent der Unternehmen haben derzeit offene Stellen. Es gibt allerdings zunehmend Probleme, diese adäquat zu besetzen.

94 Prozent der Unternehmen gaben an, die Berufsaussichten für Ingenieure seien gut bis sehr gut. Bei Fachkräften lag der Wert sogar bei 98 Prozent. Offene Stellen gibt es vor allem im Vertrieb (66 der 94 Unternehmen), in Marketing und Kommunikation (35), Key Account Management (27) und Forschung & Entwicklung (24). Nur 4 Prozent der Unternehmen gaben an, derzeit keine offenen Stellen zu haben.

Fachkräftemangel auch in der Medizintechnik

91 Prozent der Unternehmen haben allerdings zunehmend Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das betrifft in erster Linie den Vertrieb, aber auch das Key Account Management und die Forschung. Defizite in der Schulausbildung sehen die MedTech-Unternehmen vor allem bei den Fremdsprachen sowie im Bereich Mathematik/Physik.

Knapp zwei Drittel der Unternehmen sind der Ansicht, dass eine Modernisierung der Qualifizierung im medizinisch-technischen Bereich dringend erforderlich ist, um mit dem Innovationstempo der MedTech-Branche Schritt halten zu können. Die medizintechnische Ausbildung müsse interdisziplinärer werden und die Bereiche Medizintechnik, IT und Krankenhausprozesse umfassen (79 Prozent Zustimmung). Eine größere Rolle sollten zudem betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Vermarktungsstrategien spielen.

Neue Berufsbilder in der Medizintechnik

Gründe für den Fachkräftemangel sind der demographische Wandel, aber auch eine mitunter mangelhafte Ausbildungsreife der Schulabgänger. Ausgerechnet dem Bereich Forschung fehlt der Nachwuchs – dem Innovationsstandort Deutschland droht damit das wertvollste Kapital auszugehen.

Die Politik kann helfen, indem sie mehr in allgemeinbildende Schulen investiert. Auch sollten Unternehmen, die ihren Auszubildenden Nachhilfeunterricht in elementaren Fächern wie Mathematik oder Fremdsprachen anbieten, steuerliche Förderungen erhalten. Die Qualifizierung im medizinisch-technischen Bereich muss zudem modernisiert und interdisziplinärer ausgerichtet werden, um mit dem Innovationstempo der MedTech-Branche Schritt zu halten.

Autoren:
Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, in Berlin
Manfred Beeres, Leiter Kommunikation des Bundesverbandes Medizintechnologie, BVMed, in Berlin


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