Medizinprodukteindustrie

2009-02: Branchenporträt MedTech - Medizintechnik als Motor der Gesundheitswirtschaft

Gastbeitrag für die FAZ-Sonderveröffentlichung „Healthcare“ am 7./.8. März 2009 von Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer & Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie, Berlin, Februar 2009


Die Gesundheitswirtschaft ist bereits heute einer der wichtigsten und größten Teilmärkte der deutschen Volkswirtschaft. Insgesamt 4,4 Millionen Menschen arbeiten im Gesundheitswesen. Damit ist etwa jeder zehnte Arbeitsplatz in Deutschland in der Gesundheitswirtschaft angesiedelt. 245 Milliarden Euro werden insgesamt für Gesundheit ausgegeben. Das ist ein Anteil von 10,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Der Gesundheitssektor ist damit bedeutender als beispielsweise die Automobilindustrie mit einem Anteil von 9,7 Prozent des BIP.

Medizintechnologien sind ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitssektors, der in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Innovativ − unentbehrlich – effizient: diese Schlagworte charakterisieren die MedTech-Branche. Kardiologische Implantate bringen schwache Herzen wieder in Rhythmus. Künstliche Gelenke und Wirbelsäulenimplantate sorgen wieder für schmerzfreies Bewegen. Künstliche Linsen und die refraktive Chirurgie bringen erblindete Augen zum Sehen. Moderne Implantate und Geräte bringen taube Ohren zum Hören. Verband- und Hilfsmittel verbessern die Lebensqualität und helfen heilen. Medizinprodukte sind unentbehrlich für die Gesundheit und bessere Lebensqualität der Menschen, ja sie retten und erhalten oftmals Leben.

Bedeutender Wirtschafts- und Arbeitsplatzfaktor

Medizinprodukte leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag für eine effiziente Gesundheitsversorgung, sie sind auch ein bedeutender Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor. Die Kernbranche beschäftigt in Deutschland insgesamt rund 170.000 Menschen in über 11.000 Unternehmen. Weitere 29.000 Mitarbeiter sind im Einzelhandel für medizinische und orthopädische Güter tätig.

Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen legte in Deutschland 2007 um 6,9 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro zu. Der Inlandsumsatz stieg um 7,3 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro, der Exportumsatz um 6,7 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Beim Export liegt Deutschland mit einem Welthandelsanteil von 14,6 Prozent nach den USA (30,9 Prozent) aber deutlich vor Japan (5,5 Prozent) weltweit an der zweiten Stelle.

Die Gesundheitsausgaben im Bereich der Medizinprodukte (ohne Investitionsgüter) betrugen in Deutschland im Jahr 2006 insgesamt über 22 Milliarden Euro. Davon entfallen auf Hilfsmittel rund 10,9 Milliarden Euro und auf den sonstigen medizinischen Bedarf 9,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund 1 Milliarde Euro für den Verbandmittelbereich, der unter Arzneimitteln erfasst ist. Der Ausgabenanteil der Gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei über 14 Milliarden Euro. Die Unternehmen der Medizintechnologie tragen damit zu einer positiven Entwicklung der Gesundheitswirtschaft in Deutschland bei.

Überdurchschnittliche hohe Innovationskraft

Die Medizintechnologie ist eine dynamische und hoch innovative Branche. Bei Patenten und Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die höchstens drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Von besonderer Bedeutung für die Unternehmen ist dabei der strukturierte Umgang mit den Ideen der Anwender, der Ärzte und Schwestern bzw. Pfleger, für neue Produkte und Verfahren der Medizintechnologie. Denn bei 52 Prozent der Medizinprodukte kommen die Ideen für das neue Produkt ursprünglich von Anwendern. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Krankenhäusern ist dabei unerlässlich.

Ausblick auf 2009

Die Medizintechnik-Branche bleibt in Deutschland trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise ein Jobmotor. Einer Umfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) zufolge haben 55 Prozent der MedTech-Unternehmen 2008 gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei knapp 30 Prozent der Unternehmen blieb die Mitarbeiterzahl stabil.

Wird die MedTech-Branche auch 2009 ein Jobmotor bleiben und den Wachstumskurs halten - trotz der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise? Es gibt Gründe, weiterhin optimistisch zu sein. Denn prinzipiell ist die Gesundheitsbranche sicherlich krisenfester als beispielsweise die Automobilbranche. Wir suchen uns ja nicht den Zeitpunkt aus, wann wir krank werden und eine Behandlung benötigen. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird weiter steigen. Patienten sind immer mehr bereit, in ihre Gesundheit zu investieren. Der Weltmarkt wächst jährlich durchschnittlich um 7 Prozent.

Speziell in den Ingenieurbereichen der Medizin- oder Pharmatechnik herrscht nach wie vor ein Fachkräftemangel, so dass - kombiniert mit dem Wachstum der Branche - die Berufschancen und Karriereaussichten sehr gut sind. Dies gilt auch für die Bereiche Marketing und Vertrieb. Die Unternehmen der Medizintechnologie bieten qualifizierten Mitarbeitern sowohl national als auch international interessante Perspektiven. Gerade unsere größeren deutschen Unternehmen globalisieren sich zunehmend und bieten damit internationale Aufstiegschancen.


Zum Autor: Joachim M. Schmitt ist Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) sowie Geschäftsführer von MedInform – Seminar- und Informations-Service Medizintechnologie mit Sitz in Berlin.

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