Erstattung von Medizinprodukten

Welt-Parkinson-Tag am 11. April - BVMed: Schneller Patientenzugang zu innovativen Medizintechnologien sicherstellen / „Tiefe Hirnstimulation“ zu wenig praktiziert

09.04.2003 - 26/03

Berlin. Zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April hat der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, einen schnelleren und besseren Patientenzugang zu bestehenden neuen Behandlungsmethoden der Medizintechnologie gefordert. Als Beispiel nannte der BVMed die „Tiefe Hirnstimulation“ mittels eines implantierbaren Neurostimulationssystems, das durch Abgabe eines milden elektrischen Stroms krankhaft überaktive Kernregionen im Gehirn hemmen und somit die behindernden Symptome wirksam lindern kann. Bei der Anwendung dieser neuen Methode, deren Wirksamkeit in großen internationalen Studien nachgewiesen sei, gehöre Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Nur etwa 5 Prozent der Parkinson-Patienten in Deutschland, die von dieser Therapie profitieren könnten, erhalten eine solche Tiefenhirnstimulation, sagte BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt in Berlin.


Durch eine weltweite Multicenterstudie konnte die dramatische Besserung der Symptome der Parkinsonschen Krankheit durch die „Tiefe Hirnstimulation“ bestätigt werden. Zahlreiche Patienten konnten nach vielen Jahren mit schwerster Behinderung einen Großteil ihrer Selbständigkeit wiedererlangen. Von führenden Neurologen wird die „Tiefe Hirnstimulation“ daher auch als „größter Fortschritt in der Behandlung dieser Erkrankung seit Einführung des L-Dopa“ bewertet.  Nur ein Bruchteil der geeigneten Patienten kann allerdings momentan in Deutschland operiert werden. Die Gründe hierfür liegen in der Begrenzung der Implantate-Budgets sowie der OP- und Nachsorgekapazitäten in den Implantationszentren. Trotz der initial hohen Implantatkosten können auch erhebliche Kosten eingespart werden. So berichten verschiedene Kliniken von Einsparungen an kostenintensiven Medikamenten von ca. 3.250 Euro im Jahr, teilweise können diese auch ganz abgesetzt werden. Erste Kostenstudien zeigen eine deutliche Senkung der Folgekosten.

Die Parkinsonsche Krankheit stellt eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen dar. Nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung leiden allein in Deutschland 250.000 Menschen an dieser Krankheit. Die meisten Betroffenen befinden sich zwischen dem 50. und 65. Lebensjahr. Angesichts der demographischen Entwicklung in unserer Gesellschaft mit der allgemein steigenden Lebenserwartung ist eine zunehmende Zahl der Betroffenen vorauszusehen. 

Eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen wird es nach Ansicht des BVMed sein, den medizinischen Fortschritt und medizintechnische Innovationen auch künftig allen Patienten, die sie benötigen, ohne Verzögerung zur Verfügung zu stellen. Derzeit bestehe die Gefahr und im Falle der Behandlung der Parkinsonschen Krankheit bereits die Realität, dass den Patienten neue Behandlungsmethoden vorenthalten werden, erklärte  der BVMed. Neue Behandlungsmethoden der Medizintechnologiebranche und neue Therapieansätze würden aber die Genesungszeiten der Patienten verkürzen und es Ihnen damit ermöglichen, schneller wieder am gesellschaftlichen und Arbeitsleben teilzuhaben. Dies stelle auch einen Gewinn für die Volkswirtschaft insgesamt dar.


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