BVMed intern

Dr. Reinhard Bauer: "Medizinprodukteindustrie benötigt eindeutige und zuverlässige politische Rahmenbedingungen"

07.04.2000 - 19/00

Stuttgart. Eindeutige und zuverlässige Rahmenbedingungen für die Industrie hat der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Reinhard Bauer, Vorsitzender des Vorstands der PAUL HARTMANN AG, auf der Mitgliederversammlung des BVMed in Stuttgart von der Gesundheitspolitik gefordert. Diese klaren Rahmenbedingungen seien Voraussetzung für ein zukunftsorientiertes Handeln, sie wären aber im vergangenen Jahr "in dem gesundheitspolitischen Durcheinander nicht möglich" gewesen.


Auch deshalb sei 1999 für die Medizinprodukteindustrie in Deutschland ein außerordentlich schwieriges Jahr gewesen. Dr. Bauer: "Die unklaren politischen Vorgaben haben zu einer großen Verunsicherung auf der Nachfrageseite sowohl im stationären als auch im niedergelassenen Bereich geführt. Dies ist ein Indiz dafür, dass der Gesundheitsmarkt, der als ein Wachstumsmarkt der Zukunft gilt, durch die anhaltende Budgetierungspolitik erheblich gebremst wird." Die verordnete Deckelung könne die notwendige und angemessene Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen und innovativen Medizinprodukten auf Dauer nicht gewährleisten. 

Zu dem anhaltenden Druck auf die Herstellerpreise bei Medizinprodukten infolge der sektoralen Budgetierung seien noch teilweise stark gestiegene Rohstoffpreise hinzugekommen. Diese Entwicklung führte dazu, dass sich die Ertragslage bei vielen Medizinprodukteherstellern weiter verschlechtert habe. Die über 160 im BVMed zusammengeschlossenen Hersteller von Medizinprodukten haben im Jahr 1999 einen Gesamtumsatz von knapp 6,3 Mrd. DM gemeldet. Die Zuwachsrate lag dabei lediglich 2,8 Prozent über 1998. Enttäuschend verlief das Geschäftsjahr dabei insbesondere im Inland. Hier ergab sich eine Umsatzsteigerung von nur 2,2 Prozent.

Als einen Themenschwerpunkt für die kommenden Monate kündigte Dr. Bauer an, der BVMed wolle durch verschiedene Maßnahmen den Wert von innovativen Medizinprodukten gegenüber Entscheidungsträgern und Öffentlichkeit stärker herausstellen. "Medizinprodukte sind unentbehrlich für Gesundheit und Lebensqualität. Bahnbrechende Innovationen gibt es quer durch alle Produktgruppen. In den gesundheitspolitischen Reformen der letzten Jahre wurde jedoch zunehmend auf Maßnahmen zurückgegriffen, die den Zugang moderner Medizinprodukte zum deutschen Gesundheitswesen erschweren, so dass die Versicherten nicht oder nur eingeschränkt in den Genuss neuer und wirksamerer Verfahren in der Diagnose und Behandlung von Krankheiten kommen. Damit werden potenzielle Nutzenvorteile für Patienten nicht realisiert und mögliche Kostenvorteile für die Kostenträger nicht ausgeschöpft." Die entscheidende Frage sei nun, wie sichergestellt werden kann, dass sinnvoller medizinischer und medizintechnischer Fortschritt möglichst vielen Patienten ohne Verzögerungen zugute kommt.


  • Share on Facebook
  • Share on Twitter