Medizintechnologie e.V.
Reinhardtstr. 29 b
D - 10117 Berlin
Tel. (030) 246 255 - 0
Fax. (030) 246 255 - 99
info@bvmed.de
Innovationen
Berliner Medienseminar des BVMed Herbstumfrage zeigt: „Mehr Arbeitsplätze trotz erhöhtem Kostendruck“
14.10.2008 - 80/08
Die Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, investieren im Durchschnitt rund 7,2 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Wert liegt bei sehr guten 9 Prozent, wenn man die reinen Vertriebsgesellschaften herausrechnet und sich damit die forschenden MedTech-Unternehmen isoliert betrachtet. Die Innovationskraft der Branche spiegelt wider, dass rund 84 Prozent der Unternehmen für das kommende Jahr planen, neue Produkte und Verfahren auf den Markt zu bringen. Der Innovationsschwerpunkt liegt dabei erwartungsgemäß im stationären Bereich, so der BVMed.
Bei der Frage nach den Stärken des Standorts Deutschland für die Medizintechnologie gibt es von den BVMed-Unternehmen viel Anerkennung und hohe Wertschätzung. Zu den genannten Stärken gehören vor allem das hohe Versorgungsniveau der Patienten (67 Prozent), die große Anzahl gut ausgebildeter Ärzte (56 Prozent) sowie der hohe Standard der klinischen Forschung (50 Prozent). Bemängelt wird vor allem das niedrige Erstattungsniveau in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten.
Als stärkstes Hemmnis für die Branchenentwicklung wird wie im Vorjahr der gestiegene Preisdruck durch die Einkaufsgemeinschaften angesehen. 70 Prozent geben diesen Faktor an. Auf Platz zwei der Hemmnisliste sind in diesem Jahr die gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten vorgerückt. Sie werden von 49 Prozent der Unternehmen genannt.
Die BVMed-Unternehmen wünschen sich von der Gesundheitspolitik vor allem mehr Flexibilität in den Erstattungssystemen. 57 Prozent plädieren für mehr Eigenverantwortung der Patienten durch Zuzahlungsmodelle. 43 Prozent wollen mehr Wahlfreiheiten für die Versicherten. Es folgen der Vorschlag nach einer Aufhebung der Budgetierung im Krankenhaussektor (44 Prozent) und einer ergebnisorientierten Vergütung von Gesundheitsleistungen (40 Prozent). 33 Prozent sprechen sich für das Modell „Grundversorgung plus Zusatzversicherungen“ aus.
BVMed-Vorstandsvorsitzender Dr. Meinrad Lugan: „Wenn wir die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung langfristig sichern wollen, müssen wir neue Wege diskutieren. Dazu gehört für uns das Nachdenken über eine steuerbegünstigte ‚Riester-GKV’.“ Sein Fazit lautete: „Wenn wir den medizinischen Fortschritt fördern, dabei noch koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, dann werden die MedTech-Unternehmen auch in Zukunft zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.“
Drei Trendberichte:
Trends der Medizintechnologien für Babys und Kinder
Das übergreifende Thema des BVMed-Medienseminars lautete „Trends der Medizintechnologien: MedTech für Babys und Kinder“.
Prof. Dr. med. Joachim-Gerd Rein, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Herzchirurgischen Klinik der Sana in Stuttgart und Mitglied des Inneren Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), stellte die Fortschritte bei der Behandlung von Herzfehlern bei Babys und Kindern und den Beitrag von MedTech zur herzchirurgischen Versorgung vor. 1960 wurde im Zentralblatt für Kinderheilkunde noch mitgeteilt, dass 85 Prozent der Kinder mit vertauschter Haupt- und Lungenschlagader vor dem sechsten Lebensmonat versterben und 50 Prozent aller Säuglinge mit angeborenem Herzfehler nicht älter als ein Jahr werden. „Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat jetzt dazu geführt, dass in Deutschland über 90 Prozent dieser Kinder das Erwachsenenalter erreichen – Tendenz ständig steigend“, so Prof. Rein. Verantwortlich für diese enormen Fortschritte seien zwei Bereiche, „die sich letztlich ständig ergänzt haben“.
Neben dem rein medizinischen Bereich mit Fortschritten auf dem Gebiet Kinderkardiologie, Chirurgie, Anästhesie, Intensivmedizin und Physiologie sei dies die Medizintechnik, „die teilweise Möglichkeiten eröffnet, die vor kurzem noch undenkbar waren“. Prof. Rein nannte völlig neue Therapiekonzepte wie Gewebezüchtung und minimalinvasive, kathetergestützte Klappenimplantationen.
Prof. Dr. med. Dieter Weitzel, Kinderdiabetologe und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin an der Deutschen Klinik für Diagnostik, Fachbereich Kinder- und Jugendmedizin, in Wiesbaden präsentierte neue Behandlungsoptionen für Kinder mit Diabetes auf dem Weg zum „closed loop“ (geschlossenen System). Diese Entwicklung laufe auf zwei Wegen: Die Abgabe des Insulins in das Bauchfell und Steuerung der Dosierung über die Glukosebestimmung im Blut sowie die Abgabe des Insulins ins subkutane Fettgewebe und Steuerung der Insulindosierung über die kontinuierliche Glukosemessung im subkutanen Fettgewebe. Beide Ansätze funktionieren bereits unter experimentellen Bedingungen.
In der Praxis umgesetzt werde bereits die sensorgestützte Pumpentherapie (SuP), bei der ein Sensor im Unterhautfettgewebe kontinuierlich Glukose misst und die Daten an die Pumpe funkt. Die Insulinabgabe veranlasst der Patient nach Eingabe des Blutzuckers und der Kohlenhydrate, wobei der Rechner in der Pumpe dem Patienten aufgrund der eingegebenen Algorhythmen einen Vorschlag macht.
PD Dr. med. Hannes Haberl, Facharzt für Neurochirurgie und Leiter des Arbeitsbereiches Pädiatrische Neurochirurgie an der Charité Berlin, stellte moderne Implantate aus der Neurochirurgie für Kinder vor. Er verwies auf die Verbesserung der Lebensqualität durch neurochirurgische Implantate am Fallbeispiel der Ventilsysteme zur Behandlung des Hydrocaphalus (Wasserkopf).
Die Häufigkeit der angeborenen Hydrocephaluserkrankung wird in Europa unverändert mit 5 von 10.000 Lebendgeburten geschätzt. Heute werden in Deutschland jährlich etwa 12.500 implantierbare Ventile, sogenannte „Shunts“, implantiert. Dr. Haberl: „Zusammen mit einer verfeinerten minimal invasiven Operationstechnik haben technische Verbesserungen zu einem enormen Gewinn an Lebensqualität mit nahezu uneingeschränktem Alltag betroffener Patienten geführt.“ Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung war die Entwicklung des schwerkraftassistierten Hydrocephalusventils für Kinder (paediGAV) vor Ort.
Alle Informationen zum BVMed-Medienseminar „Trends der Medizintechnologie“ sowie die Ergebnisse der BVMed-Branchenbefragung befinden sich im Internet unter:
www.bvmed.de/medienseminar08.
Diese Inhalte könnten für Sie ebenfalls interessant sein:
- Informationsreihe "Medizinprodukterecht"
- BVMed-Konferenz zur Nutzenbewertung von Medizinprodukten: Verfahrensordnung zur Erprobungsregelung kommt im Juli 2012/ Finanzierung soll über Studienfonds erfolgen
- MedInform-Konferenz zur Kommunikation mit Krankenkassen: „Vertrauen und eine zielgerichtete Kommunikation sind der Schlüssel zur erfolgreichen Zusammenarbeit“
Neu: MedTech-Bilderwelten
Informationsfilm
Medizintechnologien: Gesundheit gestalten
„Gesundheit gestalten“ zum Wohle des Patienten. Das ist das Leitbild der Unternehmen der Medizintechnologie. Sie leisten mehr an Forschungs- und Entwicklungsarbeit, als so mancher Patient ahnt. Die Branche steht im kontinuierlichen Dialog mit Politikern, Kassen und Ärzten. Der Film zeigt in zahlreichen Beispielen, wie medizintechnische Innovationen das Gesundheitssystem langfristig entlasten und wie sie den Patienten auch künftig ohne Verzögerung zur Verfügung gestellt werden können.
> Medizintechnologien: Gesundheit gestalten
Aktuelle Themen
- Dekubitus
- Erhebungsbogen
- Erstattung
- Hilfsmittel
- Homecare
- Inkontinenz
- Kodex
- Medizinprodukte
- Medizinprodukteberater
- Medizinprodukterecht
- Nadelstichverletzungen
- Tracheostoma
- UDI
- Versorgungsstrukturgesetz
- Wundversorgung




