Innovationen

2008-10: Medizintechnischer Fortschritt braucht Allianzen - Kooperationen zwischen Industrie, Krankenhäusern und Krankenkassen sind die Basis von Innovatonseinführungen in der MedTech-Branche

Gastbeitrag für die Medizintechnik-Beilage von „Going Public“, Oktober 2008, von Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer & Mitglied des Vorstands, und Manfred Beeres, Leiter Kommunikation, BVMed


Die Welt der Medizintechnologien ist faszinierend. Implantate bringen das geschwächte Herz wieder in Rhythmus. Sie bringen kranke Gelenke zum schmerzfreien Bewegen, erkrankte Augen zum Sehen, ertaubte Ohren zum Hören. Neurostimulation gibt bei den verschiedensten Krankheitsbildern chronischen Patienten neue Hoffnung. Neue Verfahren, Implantate oder Hilfsmittel verbessern nachhaltig die Lebensqualität, ja sie retten und erhalten oftmals Leben.

Die MedTech-Branche ist dynamisch und hoch innovativ. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die Unternehmen der Medizintechnologie mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Umgang mit dem medizintechnischen Fortschritt ist damit eines der wichtigsten Gestaltungsthemen im Gesundheitsmarkt.

Einsparpotentiale durch Innovationen verdeutlichen

Eine große Herausforderung für die Unternehmen der Medizintechnologie ist es, mit Studien und klaren Argumentationslinien die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Innovationen im Gesundheitsmarkt nicht nur unter dem Kostenaspekt diskutiert werden dürfen. Wir müssen darauf hinwirken, dass nicht die meist höheren Initialkosten eines neuen Verfahrens isoliert betrachtet werden, sondern die Gesamtkosten eines Behandlungsfalls erhoben und beurteilt werden. Dafür brauchen wir eine verbesserte Datenlage über den Einsatz von Medizintechnologien unter „Alltagsbedingungen“, also in der klinischen und ärztlichen Praxis.

Wir werben für neue Allianzen für Qualität und medizinischen Fortschritt im Gesundheitsmarkt. Wir brauchen mehr Miteinander von Politik, Krankenkassen, Kliniken, Ärzten und Industrie, um eine qualitativ hochwertige Versorgung der Menschen mit Medizintechnologien zu sichern und den medizinischen Fortschritt schnell zum Patienten zu bringen.

Innovationskonferenz zeigt die Bedeutung von Allianzen auf

Eine BVMed-Innovationskonferenz Ende September 2008 in Berlin, an der neben Wirtschafts-Staatssekretär Hartmut Schauerte auch zahlreiche Krankenkassen-, Krankenhaus- und Industrie-Manager teilnahmen, zeigte deutlich: Medizintechnischer Fortschritt braucht Partnerschaften von Krankenhäusern, Krankenkassen und Industrie!

Redner von Krankenkassen und Krankenhäusern betonten die Notwendigkeit, den Nutzen moderner Medizintechnologien für die Patienten besser nachzuweisen. Dazu gehörten für Prof. Dr. Jens Ricke, Klinikdirektor des Universitätsklinikums Magdeburg, prospektive Studien, die zeigen, welche Vorteile die Innovation für den Patienten hat. „Die Industrie darf Ärzte und Krankenhäuser hier nicht alleine lassen“, so sein Appell. Moderator und Krankenhausexperte Prof. Heinz Lohmann sah als Zukunftsmodell von Innovationsentwicklungen eine enge Systempartnerschaft von Krankenhäusern und Industrie an.

Auch Dr. Thomas Schürholz von der Gmünder Ersatzkasse (GEK) plädierte für eine engere Zusammenarbeit mit der Industrie bei Versorgungsforschungsprojekten, die den Versorgungsalltag abbilden. „Wir brauchen dabei Kooperationen zwischen Krankenkassen und Industrie“, so der Krankenkassenmanager. Die Unternehmen der Medizintechnologie und der BVMed als ihr Branchenverband sind dazu bereit. Die Industrievertreter sprachen sich für die verstärkte Bildung von Netzwerken aus, um Therapiekonzepte unter Einbeziehung der Krankenkassen und der Industrie zu gestalten.

Erster Schritt: Ideen für medizinischen Fortschritt

Ideen zu Innovationen oder Weiterentwicklungen kommen oft von Ärzten. Die Rahmenbedingungen für neue Ideen sind in Deutschland hervorragend. Wir haben gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und einen hohen Standard der klinischen Forschung. Das sind beste Voraussetzungen, neue Produkte und Verfahren zu entwickeln.

Zweiter Schritt: Von der Idee zum fertigen Produkt

Die Idee zu einem Produkt oder Verfahren wird von den Ärzten gemeinsam mit Technikern und Ingenieuren in den Unternehmen weiterentwickelt. Die Entwicklung der Technologie selbst orientiert sich an maximalen Sicherheitsanforderungen. Der Prozess wird begleitet von einer Risikoanalyse und -bewertung, die vom Gesetzgeber vorgesehen ist und das mögliche Gefahrenpotential des jeweiligen Verfahrens dem Nutzen gegenüberstellt. Die CE-Kennzeichnung steht aufgrund der detaillierten Risikoanalyse für umfassende Sicherheit. Darüber hinaus steht sie – und das gilt nur für Medizinprodukte – auch für die Leistungsfähigkeit. Denn für jedes Medizinprodukt hat der Gesetzgeber die Durchführung einer klinischen Bewertung vorgegeben. Dieser Rechtsrahmen für Medizinprodukte mit risikoabgestuften Anforderungen hat sich bewährt und sollte beibehalten werden.

Dritter Schritt: Das neue Produkt in der Anwendung

Mit dem Marktzugang ist allerdings noch nicht sichergestellt, dass das neue Produkt bzw. Verfahren auch dem Patienten zur Verfügung steht. Im Unterschied zu Arzneimitteln sind neue MedTech-Verfahren häufig komplex und müssen den Ärzten in speziellen Trainings- und Weiterbildungseinheiten nähergebracht werden, beispielsweise wenn es sich um eine neue OP-Methode handelt. Für dieses "Training & Education" ist eine enge Zusammenarbeit von Industrie und Ärzten unabdingbar. Es geht hierbei um die sichere Handhabung und effektive Anwendung der neuen medizintechnischen Methode und um die Sicherheit der Patienten.

Gemeinsam mit den Partnern in den Kliniken und der Ärzteschaft arbeitet der BVMed seit vielen Jahren daran, dieser notwendigen Kooperation im Gesundheitsmarkt eine sichere und transparente Grundlage zu geben. Dafür steht der MedTech-Kompass (www.medtech-kompass.de), den der BVMed Anfang 2008 ins Leben gerufen hat. Mit seinem umfangreichen Informations- und Beratungsangebot und mit klaren Handlungsempfehlungen wirbt der Kompass für eine gute und transparente Zusammenarbeit. Indem wir die bestehenden Unsicherheiten beseitigen, können wir den medizinischen Fortschritt weiter befördern.

Fazit:

Medizintechnischer Fortschritt braucht Partnerschaften von Krankenhäusern, Krankenkasse und Industrie. Diese Partnerschaften spielen sowohl bei der Entwicklung als auch bei der Einführung neuer Produkte und Verfahren eine große Rolle. Dafür benötigen wir klare Grundlagen und partnerschaftliches Miteinander.


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