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Innovationen
2008-01: 2008: Das Jahr der neuen Allianzen für medizinischen Fortschritt und Qualität
Die Welt der Medizintechnologien ist faszinierend. Implantate bringen das Herz wieder in Rhythmus. Sie bringen Gelenke zum schmerzfreien Bewegen, Augen zum Sehen, Ohren zum Hören. Neurostimulation gibt bei den verschiedensten Krankheitsbildern chronischen Patienten neue Hoffnung. Neue Verfahren, Implantate oder Hilfsmittel verbessern die Lebensqualität, ja sie retten und erhalten oftmals Leben. Moderne Medizintechnologien sind aus der Behandlung vieler Krankheiten kaum noch wegzudenken.
Der Umgang mit dem medizintechnischen Fortschritt ist eines der wichtigsten Gestaltungsthemen im Gesundheitsmarkt. Es betrifft die Unternehmen der Medizintechnologie als Teil einer dynamischen und hoch innovativen Branche in besonderem Maße. Denn rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.
Eine große Herausforderung für den BVMed und die Unternehmen der Medizintechnologie ist es, mit Studien und klaren Argumentationslinien die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, dass Innovationen im Gesundheitsmarkt nicht nur unter dem Kostenaspekt diskutiert werden dürfen. Wir wollen darauf hinwirken, dass nicht die meist höheren Initialkosten eines neuen Verfahrens isoliert betrachtet werden, sondern die Gesamtkosten eines Behandlungsfalls erhoben und beurteilt werden. Dafür brauchen wir eine verbesserte Datenlage über den Einsatz von Medizintechnologien unter „Alltagsbedingungen“, also in der klinischen und ärztlichen Praxis.
Wir werben für neue Allianzen für Qualität und medizinischen Fortschritt im Gesundheitsmarkt. Wir brauchen mehr Miteinander von Politik, Krankenkassen, Kliniken, Ärzten und Industrie, um eine qualitativ hochwertige Versorgung der Menschen mit Medizintechnologien zu sichern und den medizinischen Fortschritt schnell zum Patienten zu bringen.
Der BVMed setzt sich für gemeinsame Projekte der MedTech-Unternehmen mit den Krankenkassen und den Ärzten ein, um Kriterien für einen echten Qualitätswettbewerb zu entwickeln und festzuschreiben. Gemeinsames Ziel muss es im Sinne des Patienten sein, damit dem Trend zur Billigmedizin entgegenzuwirken. Ein positives Beispiel sind die Qualitätsstandards in der Hilfsmittelversorgung. Auch in der klinischen Versorgung benötigen wir mehr Projekte, um Qualität messbar zu machen. Der BVMed und die Unternehmen der Medizintechnologie stehen für diesen wichtigen Prozess als konstruktiver Partner und Mitgestalter zur Verfügung.
Was ist konkret zu tun?
Wie kann Deutschlands Leitmarktfunktion in der Medizintechnik erhalten und langfristig ausgebaut werden? Wie können die Rahmenbedingungen für die MedTech-Branche positiver gestaltet werden? Der BVMed fasst in fünf verschiedenen Themenbereichen seine Appelle an die Politik und die Institutionen der Selbstverwaltung zusammen:
:: Wir brauchen einen zwischen allen Politikbereichen – Wirtschaft, Forschung, Finanzen und Gesundheit – abgestimmten „Masterplan Gesundheitswirtschaft“. Ein Koordinator für die Gesundheitswirtschaft, der von der Bundesregierung benannt wird, sollte die Abstimmung der Förderprogramme aller zuständigen Ministerien übernehmen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheitswirtschaft überprüfen.
:: Wir brauchen in der Gesundheitswirtschaft ein stärkeres Denken in Prozessen. Wir müssen einen Gesamtfall betrachten, nicht isolierte Produktkosten. Wir müssen deshalb gemeinsam mit den Krankenkassen und den Anwendern Instrumentarien entwickeln, um die Nutzen- und Kosteneffekte über den Gesamtverlauf einer Behandlung oder Krankheit zu ermitteln. Denn die schnellere Einführung von Innovationen hat meist ökonomische Vorteile: Sie führen zu einer Reduzierung von Fehlzeiten, verkürzen die Genesungszeiten der Patienten und ermöglichen es ihnen daher, schneller wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und an den Arbeitsplatz zurückzukehren.
:: Für die Innovationskraft der Kliniken und der MedTech-Branche ist es wichtig, dass an dem Prinzip „Erlaubnis mit Verbotsvorbehalt“ nicht gerüttelt wird. Viele Innovationen finden zuerst im Krankenhaus ihre Anwendung. Medizintechnologische Innovationen im Krankenhaus werden zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung vergütet, solange keine negative Entscheidung des G-BA vorliegt. An diesem Prinzip der „Erlaubnis mit Verbotsvorbehalt“ muss im stationären Sektor festgehalten werden, um innovative Medizintechnologien in Deutschland allen Patienten, die sie benötigen, ohne Zeitverzögerung zur Verfügung zu stellen. Zum Thema Innovationsförderung gehört auch, dass wir die so genannte Innovationsklausel für Krankenhäuser zur Einführung neuer MedTech-Verfahren überarbeiten und vereinfachen.
:: Eine beschleunigte Innovationseinführung ist von großer Bedeutung. Dafür brauchen wir eine Flexibilisierung der Vergütungsregelungen. Dazu gehören flexible Zuzahlungsmodelle bzw. die Gestattung von Eigenbeteiligungen der Versicherten. Wenn wir hier das System öffnen, dann werden die Krankenkassen künftig im Wettbewerb um die schnelle Innovationseinführung stehen. Zu diesem Themenkomplex gehören auch einfache Prozessmaßnahmen, wie sie in der Industrie üblich sind. Wir müssen bei Prozessen wie der Bewertung von Verfahren oder der Überarbeitung des DRG-Katalogs eindeutige Ansprechpartner, Prozesse, Fristen und Evaluationsverfahren definieren. Bei klaren Definitionen haben wir auch die Chance, die Prozesse insgesamt zu beschleunigen.
:: Ein besonders sensibler Bereich ist die Hilfsmittelversorgung. Hier gibt es durch die Gesundheitsreform eine grundlegende Änderung der Versorgungsstrukturen. Versorgungsberechtigt sind künftig nur noch Vertragspartner der Krankenkassen, die in der Regel durch Ausschreibungen ermittelt werden. Für uns sind Ausschreibungen kein adäquates Mittel, um schwerstkranke, pflegebedürftige und chronisch kranke Patienten optimiert und qualitätsorientiert zu versorgen. Solche multimorbiden Patienten sollten besser aus einer Hand versorgt werden. Wir müssen gemeinsam mit den Krankenkassen Kriterien für einen echten Qualitätswettbewerb entwickeln und festschreiben, um dem Trend zur Billigmedizin entgegenzuwirken.
Das Fazit nach diesen fünf Themenbereichen:
Wenn wir Innovationen fördern, dabei koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, dann werden die MedTech-Unternehmen auch in Zukunft zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.
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