Hilfsmittel

2007-02: Innovationen in der Hilfsmittelversorgung - 10 Fallbeispiele

Stand: Februar 2007


Hintergrund

Medizinprodukte sind unentbehrlich für die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen. Medizinprodukte - reichen vom Pflaster und Verbandmittel über Spritzen und Kanülen bis hin zu Implantaten oder medizintechnischen Geräten. Sie retten Leben. Sie helfen heilen. Sie sorgen dafür, dass Millionen von Patienten in Deutschland ihre Vitalität und Mobilität zurückgewinnen. Medizintechnologien spielen dabei eine wichtige Rolle in allen Bereichen des Gesundheitswesens: in der Prävention, der Diagnostik, der Therapie und der Rehabilitation.

Ein wichtiger Bereich der Medizinprodukte sind Hilfsmittel. Hilfsmittel sind "sächliche medizinische Leistungen". Zu ihnen gehören Körperersatzstücke, orthopädische Hilfsmittel, Seh- und Hörhilfen, Inkontinenz- und Stomaartikel oder technische Produkte wie Applikationshilfen und Inhalationsgeräte.

Der Hilfsmittelbereich ist - ebenso wie die MedTech-Branche insgesamt - sehr dynamisch und innovativ. Eindrucksvoll zum Ausdruck kommt die beispielsweise bei Behindertenolympiaden, wo Bein- oder Armamputierte mit modernen Hightech-Körperersatzteilen sportliche Höchstleistungen vollbringen können. Die Produktzyklen in der MedTech-Branche sind deutlich kürzer als im Pharmabereich. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielen die Unternehmen mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind. Durchschnittlich werden rund 7 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert.

Hilfsmittelversorgung im häuslichen Bereich

Produktinnovationen im Hilfsmittelbereich haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass Therapien mehr und mehr vom stationären in den häuslichen Bereich verlagert werden können.

Die regionalen Leistungsanbieter in der Hilfsmittelversorgung betreuen über 6 Millionen Patienten. Dabei geht es unter anderem um die Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz, Stoma, Enteraler Ernährung, Tracheostomie, Rehabilitation, Dialyse, Diabetes oder Schmerz- und Infusions- und Beatmungstherapien.

Der Kontakt zu den Patienten besteht in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg. Für viele kranke Menschen übernehmen Hersteller und Händler eine Art Lotsenfunktion: Schon bevor der Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird, stimmen sie sich mit dem Klinikpersonal über die geplante ambulante Therapie ab. Anschließend führen sie diese in Abstimmung mit dem jeweiligen Hausarzt fort und klären, ob die Krankenkasse die Hilfsmittel in voller Höhe erstattet. Indem die Hilfsmittel-Experten ihre Patienten regelmäßig besuchen, erkennen sie eventuelle Probleme sofort und können alles Notwendige veranlassen, um die Versorgung zu optimieren.

Weniger Kosten, mehr Freiheit

Dies bringt nicht nur Vorteile für den Patienten mit sich: Werden die Hilfsmittel optimal eingesetzt, fallen auch weniger Kosten an. Denn eine gute häusliche Therapie und Pflege ermöglicht Krankenhäusern, Patienten früher zu entlassen. Zudem können Komplikationen und Rückfälle vermieden werden.

Beispiel Stomaversorgung: Die Zahl der durch die Krankheitsgeschichte oder eine defizitäre Versorgung bedingten Früh- und Spätkomplikationen, die unter Umständen auch eine weitere Operation notwendig machen, lag Ende der 90er Jahre noch bei rund 70 Prozent. Durch den Aufbau eines ambulanten Versorgungsnetzes in den letzten Jahren konnten diese Komplikationen unter 50 Prozent gesenkt werden.

In Zukunft sollen die Möglichkeiten ambulanter Therapien deshalb noch weiter ausgebaut werden. Experten aus Wissenschaft und Technik arbeiten bereits heute an entsprechenden innovativen Konzepten. Die Entwicklung neuer Therapien wird dazu beitragen, dass noch mehr Patienten ein unabhängiges und selbstständiges Leben führen können.

Zu den speziellen Homecare-Versorgungsleistungen gehören:

- Therapien zur künstlichen Ernährung
- Therapien zur Krebsversorgung
- Infusionstherapien (z. B. Katheter, Schläuche)
- Hilfsmittel für künstliche Darmausgänge (Stoma) und Inkontinenz
- Moderne Wundversorgung (z. B. Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial)
- Vorsorge gegen Dekubitus (Wundliegen)
- Atmungs- und Beatmungshilfen (Tracheostoma- und Laryngektomietherapien)
- Sauerstofflangzeittherapien
- Beatmung
- Kompressionstherapien
- Hilfsmittel für eine bessere Mobilität des Patienten

Zehn Innovationsbeispiele

Im folgenden sind einige Produktinnovationen aufgeführt, die im Zusammenspiel mit den Dienstleistungen der Hilfsmittel-Leistungserbringer dazu geführt haben, dass die Versorgung mehr und mehr im häuslichen bzw. ambulanten Bereich durchgeführt werden kann.

1. Innovationsbeispiel: Enterale Ernährung

Enterale Ernährungstherapien sind ein Nebenprodukt der für die Raumfahrt entwickelten Astronautenkost. Wichtig war eine bilanzierte Nahrung, die wenig Stauraum benötigte und weitestgehend „restlos“ verstoffwechselt wurde. Aus diesen Erkenntnissen und Produkten entwickelte sich die moderne enterale Ernährung.

Pioniere in Deutschland waren die Mainzer Prof. Dr. Bäßler und Prof. Dr. Dr. Lang sowie der Erlanger Dr. Werner Fekl, der bereits Anfang der 60er Jahre Symposien und Diskussionen zum Thema künstliche Ernährung durchführte.

Heute hat sich die enterale Ernährung vom Nährstoffklistier über die „Küchensonde“ zur modernen bilanzierten Diät für viele spezielle Indikationen entwickelt und geht teilweise bereits über die reine Ernährung hinaus. Auch in Zukunft sind Weiterentwicklungen bei Substraten, Verpackungsformen und Technik zu erwarten.

Innovation:
Die Applikationstechnik wird immer einfacher: Erleichterungen für Patienten und Personal bestimmen die Innovationen vom Nahrungsbehälter über die Überleitsysteme bis zur Button-Technik, die dafür sorgt, dass transkutane Sonden nicht ständig am Körper getragen werden müssen, sondern problemlos an- und abgekoppelt werden können.
Eine weitere Entwicklung ist die Freka-Button-Gastrostomie, die zu Beginn des Jahres 1999 eingeführt wurde: ein perkutanes System zur Sondenernährung, das flach auf der Bauchdecke des Patienten aufliegt, vor allem aber auch einen einfachen Austausch über einen vorhandenen Stomakanal bei verstopftem oder beschädigtem PEG-Katheter ermöglicht.

2. Innovationsbeispiel: Stomaversorgung

Mit einem Stoma werden künstliche Körperöffnungen bezeichnet, die hauptsächlich bei den Indikationen Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen operativ angelegt werden, um Körperausscheidungen aufzufangen. In Deutschland müssen ca. 100.000 Personen die Versorgung eines Stomas in ihren Lebensalltag einplanen. Neben der Grunderkrankung trägt die Stomaanlage dazu bei, die Teilnahme am täglichen Leben zu erschweren und führt nicht selten zu psychosozialen Problemen. Hinzu kommt, dass die Thematik tabuisiert wird und medizinische Probleme im Rahmen der Stomapflege nicht oder zu spät behandelt werden.
Eine Studie hat 2006 aufgezeigt, dass fast die Hälfte aller Stomaträger im umgrenzenden Hautbereich an Hautproblemen leidet. Hauptursache sind hierbei Hautkontakte durch Ausscheidungen über das Stoma. Ein absolut dichter Sitz der Versorgung ist daher notwendig, um Hautreizungen und Allergien vorzubeugen. Da sich jedes Stoma nach der Operation individuell verändert, können die Versorgungen ohne zusätzliche Hilfsmittel oft keinen zuverlässig dichten Schutz bieten. In der entsprechenden Hauptgruppe des Hilfsmittelverzeichnisses‚ Produkte zur Stomaversorgung, wurden daher Hautschutzplatten, weiteres Zubehör und Pflegemittel als Kategorien aufgenommen.

Innovation:
Ein neu entwickelter modellierbarer Hautschutz ermöglicht eine individuelle Anpassung an anatomische Verhältnisse, die nicht nur den Tragekomfort durch sicheren und dichten Schutz, sondern neben dem Hautschutz auch die Verweilzeit der Basisversorgung verlängern.

3. Innovationsbeispiel: Schlaftherapie

Ein bis zwei Prozent der Frauen und zwei bis vier Prozent der Männer sind von der Obstruktiven Schlafapnoe (OSA) betroffen. Gemeint ist damit das anfallsweise Auftreten von verlängerten Atempausen im Schlaf. Es wird dann als pathologisch betrachtet, wenn die Schlafapnoe-Phasen mindestens 10 Sekunden dauern und pro Schlafstunde mehr als 10 Apnoephasen auftreten.Die Folge sind Schlafstörungen und sekundären Folgeerkrankungen (Pickwick-Syndrom, Hypoxie, Hyperkapnie, kompensatorische Polyglobulie, Cor pulmonale, Enzephalopathie mit psychoorganischen Veränderungen).

Innovation:
Die Therapie umfasst seit mehr als zehn Jahren die nächtliche CPAP-Therapie über eine Maske. Viele Betroffene, die vorher nicht mehr aufgrund der Nachts auftretenden Atemaussetzer am Arbeitsleben teilnehmen konnten, können nun aufgrund der Therapie ihre Arbeit wieder aufnehmen und führen heute bei regelmäßiger Anwendung der Therapie ein Leben weitestgehend ohne Einschränkungen.
Einen neuen Anreiz für eine gute Compliance lieferte gerade eine US-Studie: Bei optimaler Nutzung der Therapie bessert sich die eingeschränkte Gedächtnisleistung der Patienten deutlich oder normalisiert sich sogar.

4. Innovationsbeispiel: Tracheostoma-Versorgung

Kehlkopfkrebs ist der häufigste Tumor der oberen Atem- und Speisewege. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 8.000 Menschen (10 von 100.000) daran. Die Hauptursache für das Entfernen des Kehlkopfes sind bösartige Tumore, die sich an unterschiedlichen Stellen auf der Oberfläche des Organs entwickelt haben. Nach der Operation des Kehlkopfes und dem teilweise gleichzeitig stattfindenden Entfernen der Lymphknoten im Halsbereich, ist zwar der Krebs besiegt, aber der Alltag verändert sich für den Betroffenen extrem.
Mit der Entfernung des Kehlkopfes wird das obere Ende der Luftröhre in die Halswand eingenäht. Dies ist notwendig, da die Luftröhre beim Essen nicht mehr durch den Kehlkopf vom Rachenraum abgeschlossen werden kann. Durch diese Öffnung, Tracheostoma bzw. Stoma genannt, atmet der Kehlkopflose und wird daher auch als Halsatmer bezeichnet. In den ersten Wochen und Monaten nach der Operation muss der Patient eine sogenannte Trachealkanüle einsetzen. Sie stabilisiert das Stoma und verhindert das Verengen dieser Öffnung.
Mit Hilfe von zahlreichen Hilfsmitteln kann der Patient neue Lebensqualität gewinnen. Neben der täglichen Reinigung der Kanüle ist es wichtig, Schutzlätzchen vor dem Stoma zu tragen. Sie übernehmen teilweise die Filterfunktion, wärmen die eingeatmete Luft vor und halten Feuchtigkeit aus der ausgeatmeten Luft zurück. Auch mit einem Luftbefeuchter lässt sich die Raumluft gleichmäßig auf einer optimale Luftfeuchtigkeit von etwa 60% halten. Die Benutzung des Inhaliergerätes, des Absauggerätes und des Duschschutzes muss erlernt werden.

Innovation: Die Sprechhilfe
Die einschneidendste Veränderung nach der Kehlkopfoperation ist die verlorene Stimme. Jeder Patient findet am Krankenbett eine kleine Tafel mit Stift. Das Schreiben ist die einzige Möglichkeit am Anfang, sich verständlich zu machen. Sobald die Wunden verheilt sind, beginnt die stimmliche Rehabilitation mit dem Logopäden.
Eine der Möglichkeiten, neu sprechen zu lernen, ist die elektronische Sprechhilfe. Sie erzeugt Schallschwingungen, die beim Ansetzen des Gerätes an den Hals in den Mund-, Nasen- und Rachenraum geleitet werden. Das richtige Ansetzen und Bedienen des Gerätes sowie die deutliche Aussprache muss geübt werden. Die Erfolge stellen sich mit der Sprechhilfe schnell ein.

5. Innovationsbeispiel: Schmerzbehandlung/Infusionstherapien

Die Schmerztherapie über Infusionspumpen wurde ursprünglich im Krankenhaus durchgeführt. Die Weiterentwicklung der Infusionspumpen, die eine genaue Dosierung entsprechend der ärztlichen Verordnung auch außerhalb des Krankenhauses ermöglichen und gleichzeitig verhindern, dass Überdosierungen durch den Patienten möglich sind, ermöglichten eine Behandlung im häuslichen Bereich.

6. Innovationsbeispiel: Heimdiaylse bei chronischem Nierenversagen

Die optimale Behandlung des chronischen Nierenversagens ist die Transplantation einer
gesunden Spenderniere. Leider betragen die Wartezeiten im Schnitt sieben Jahre.
Zur Überbrückung der Wartezeit auf ein passendes Organ oder wenn eine Transplantation
nicht möglich ist, werden verschiedene Formen der Dialyse angeboten. Die bei uns seit den
60er Jahren bekannte und verbreitete Form ist die Hämodialyse (HD): Über einen operativ
angelegten „Shunt“ (Verbindung von Vene und Arterie) wird dem Patienten Blut entzogen, in
einer Maschine gereinigt und wieder zurückgegeben. Die Behandlung dauert jeweils vier bis
fünf Stunden und muss dreimal wöchentlich in einem Dialysezentrum durchgeführt werden.

Innovation:
Die Peritonealdialyse (PD) ist eine ambulante Selbstbehandlung, d.h. sie kann vom Patienten
selbständig und an jedem Ort durchgeführt werden! Das Verfahren wird deswegen
auch Heimdialyse genannt. Die PD nutzt das Bauchfell (Peritoneum), eine körpereigene
Membran, als Filter: Mit einer speziell abgestimmten Dialyselösung werden hilfreiche
Stoffe wie z.B. Elektrolyte in den Bauchraum geleitet, während Giftstoffe und überschüssiges Wasser herausgefiltert werden. Für den Zugang zum Bauchraum wird ein kleiner, weicher Katheter operativ eingesetzt. Dieser dient als Verbindungsstelle für die Beutel mit der Dialyselösung.
Der Vorgang dauert 30-40 Minuten und wird viermal täglich durchgeführt, weil die Dialyselösung
nach einigen Stunden verbraucht ist. Sorgfältige Hygiene ist wichtig, um eine Bauchfellentzündung zu vermeiden. Die PD ist eine attraktive Alternative für Nierenkranke,
die mobil sind und Wert auf eine selbstbestimmte Lebensgestaltung legen. Nach
einer persönlichen Schulung wird die PD für die meisten Patienten ein selbstverständlicher
Teil ihres Lebens – auch am Arbeitsplatz und sogar im Urlaub!

7. Innovationsbeispiel: Inkontinenzversorgung

Beim Vorliegen einer neurogenen Blasenfunktionsstörung ist der Betroffene nicht in der Lage, seine Blasenentleerung willentlich zu steuern. Die Ursache liegt in einer Unterbrechung der Nervenbahnen oberhalb des Blasenzentrums. Durch den Verlust der willentlichen Kontrolle über die Blasenentleerung verhält sich die Blase wie beim Säugling reflektorisch.
Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen ist die Anzahl der Erkrankten nur bedingt bekannt. So sind rund 120.000 Menschen, die durch einen Unfall querschnittgelähmt sind, 25.000 Menschen mit „Spaltwirbel“ („Spina bifida“) und etwa 130.000 Menschen mit Multipler Sklerose betroffen. Unbehandelt kommt es bei der neurogenen Blasenfunktionsstörung häufig zu Restharnbildung und dadurch zu vermehrten Infektionen der Blase. Wiederkehrende, in die Nieren aufsteigende Harnwegsinfektionen führen zu Einschränkungen der Nierenfunktion bis zum völligen Versagen des Organs. Deshalb muss die Blase mittels eines Katheters restlos entleert werden.
Je nach Indikation und Therapie wird ein Dauerkatheter oder ein suprapubischer Katheter gelegt bzw. die Harnableitung erfolgt mittels intermittierender Katheterisierung.

Problem:
Harnwegsinfektionen zählen mit einem Anteil von 30 bis 40 Prozent zu den häufigsten Ursachen nosokomialer Infektionen und sind in bis zu 90 Prozent aller Fälle durch einen Katheter assoziiert. Oberstes Ziel sollte deshalb unbedingt die Vermeidung dieser Infektionen sein.

Innoavtion:
Um das Einführen der Katheter zu vereinfachen, wird bei innovativen Produkten die Katheterspitze in eine Schutzhülse vorgeschoben. Zur Katheterisierung wird die Schutzhülse soweit in die Harnröhre eingeführt, bis der Teller des Gleitgel-Reservoirs auf der Eichel bzw. direkt auf der Harnröhrenöffnung der Frau aufliegt. Anschließend wird der Katheter vorsichtig in die Blase eingeführt, bis der Harn zu fließen beginnt. Durch das Gleitgel-Reservoir kann die Menge des Gleitgels individuell bestimmt werden. Um die Blase vollständig zu entleeren, wird der Katheter langsam aus der Blase herausgezogen. Hierdurch können Harnreste, die sich am Blasenboden gesammelt haben, abfließen.
Durch die innovative Schutzhülse wird das Risiko von Harnwegsinfektionen gesenkt. Die 15 mm lange Schutzhülse verhindert den Kontakt des Katheters mit Keimen im Eingangsbereich der Harnröhre. Hierdurch verringert sich die Anzahl der Erreger, die durch den Katheter in die Harnblase transportiert werden.

8. Innovationsbeispiel: Beatmung

Spezielle Beatmungsgeräte für den ambulanten Bereich ermöglichen die Versorgung der Patienten außerhalb der Klinik. Ursprünglich konnte nur in der Klinik beatmet werden. Zwischenzeitlich sind in den letzten 10 Jahren Geräte auf den Markt gekommen, die die Beatmung zu Hause ermöglichen und über immer intelligentere Software ein immer größeres Patientenklientel zu Hause versorgen können.

9. Innovationsbeispiel: Sauerstofftherapie bei COPD

Unter COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, die zu einer Verengung der Bronchien bzw. zu einer Überblähung des Lungengewebes führen (chronisch obstruktive Bronchitis, Lungenemphysem, chronische Bronchitis mit asthmatischer Komponente). Patienten mit COPD bekommen buchstäblich keine Luft. Ihre Atemwege sind eingeengt, die Bronchien chronisch entzündet, die Lungenstruktur wird schrittweise verändert und zerstört.

Innovative Lösung: Mehr Mobilität durch Flüssigsauerstoff-System
Für die Langzeit-Sauerstofftherapie stehen verschiedene Systeme zur Verfügung. Patienten,
die aufgrund ihres Allgemeinzustands das Bett kaum verlassen, erhalten den Sauerstoff
über einen Konzentrator – ein Gerät, welches aus der Umgebungsluft Sauerstoff filtert und dem Patienten in hoher Konzentration zur Verfügung stellt. Sauerstoffkonzentratoren ermöglichten eine Therapie in der häuslichen Umgebung und sind über die Jahre kleiner, wirtschaftlicher und leiser geworden. (relativ großes Gerät, das die Raumluft in konzentrierten
Sauerstoff umwandelt). Mobilere Patienten können ihren Sauerstoffbedarf aus tragbaren
Druckgasflaschen oder Standard-Flüssigsauerstoff-Systemen decken. Diese Behälter sind
jedoch relativ schwer (> 4 kg) und müssen häufig aufgefüllt werden. Insbesondere Sauerstoffflaschen können nur in speziellen Abfüllwerken befüllt werden. Hier haben innovationen dazu geführt, dass über spezielle Sauerstoffkonzentratoren auch eine Befüllunng von Sauerstoffflaschen möglich wurde. Die betroffenen konnten entsprechend ihres eigenen Bedarfes sich die eigens dafür entwickelten Flaschen gefahrlos zu Hause über den Konzentrator befüllen lassen.
Beweglichkeit und Unabhängigkeit sind wesentliche Bestandteile eines aktiven Lebens –
auch für COPD-Patienten. Deshalb wurde ein neues Flüssigsauerstoff-System entwickelt:
Das kleinste und leichteste tragbare Sauerstoff-System weltweit. Es besteht aus einer
tragbaren Einheit, die gefüllt nur 1,5 kg wiegt und einem stationären Vorratsbehälter. Die
Befüllung der Trageeinheit dauert nur 40 Sekunden und ermöglicht ihrem Träger für bis zu
13 Stunden volle Bewegungsfreiheit bei stabiler Sauerstoff-Versorgung! Ein neuartiges,
pneumatisch arbeitendes Demandventil reguliert die Sauerstoffabgabe in Abhängigkeit
des Bedarfs. Daher wird viel weniger Sauerstoff verbraucht als bei herkömmlichen Standard-
Sauerstoff- bzw. Flüssigsauerstoff-Systemen: Der Vorratsbehälter muss nur alle vier
bis sechs Wochen aufgefüllt werden (statt wöchentlich). Ärztlich empfohlen ist das Flüssigsauerstoff-System für COPD-Patienten des dritten Grades, die mehr als vier Stunden
täglich mobil sein wollen und können.

10. Innovationsbeispiel: Behandlung von Diabetes-Patienten mit Insulinpumpen

Diabetes ist eine Volkskrankheit. In Deutschland gibt es rund 4 Mio. Diabetiker. Dabei entfallen etwa 10 Prozent aller Erkrankungen auf den Diabetes Typ-1. Er kann bei Nichtbehandlung zu Erblindung, Nierenversagen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Belastung für den Patienten ist vor allem bei der intensivierten Insulintherapie enorm. Mehrmals täglich müssen Spritzen gesetzt werden.

Innovation:
Hier sind moderne, in den letzten Jahren entwickelte Insulinpumpen eine effektive Lösung. Sie bieten für viele der Patienten die genaueste Blutzuckereinstellung. In Deutschland nutzen erst rund 11 Prozent der Typ-1 Diabetiker die Insulinpumpentherapie. Das sind mehr als in anderen europäischen Ländern, jedoch weit weniger als in den USA, wo etwa 20 Prozent von der Therapie profitieren.
Insulinpumpen ersetzen bei der intensivierten Insulintherapie das mehrmals täglich notwendige Spritzen des Hormons Insulin. Prinzipiell wird die Pumpe mit einem für jeden Diabetiker unterschiedlichen Insulingrundbedarf programmiert. Dieser wird kontinuierlich über den ganzen Tag hinweg in das Unterhautfettgewebe abgegeben und deckt so den Basisinsulinbedarf. Vor allem auch nachts ist es so möglich, durch eine entsprechende Programmierung die Anzahl an Hypoglykämien zu vermindern. Mittels eines Knopfdrucks kann der Pumpenträger zusätzlich Insulin, z. B. bei spontanen Zusatz-Mahlzeiten, abgeben. Dadurch wird eine bedarfsgenaue Abgabe der Insulinmenge gewährleistet.

Gesundheitsreform schränkt Patientenwahlrecht sowie Qualität und Vielfalt in der Hilfsmittelversorgung ein

Die regionalen Leistungsanbieter in der Hilfsmittelversorgung betreuen über 6 Millionen Patienten. Dabei geht es unter anderem um die Hilfsmittelversorgung bei Inkontinenz, Stoma, Enteraler Ernährung, Tracheostomie, Rehabilitation, Dialyse, Diabetes oder Schmerz- und Infusionstherapien.

Die Regelungen der Gesundheitsreform 2007 (GKV-WSG, GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz) betreffen diese auf Hilfsmittel angewiesenen Patienten besonders. Künftig werden allein die Krankenkassen festlegen, welcher Leistungserbringer versorgen darf. Das Gesetz besagt, dass nur noch Vertragspartner der Krankenkasse versorgungsberechtigt sind. Diese sollen im Regelfall durch Ausschreibungen ermittelt werden. Dabei besteht die Gefahr, dass nur noch sehr günstige Angebote konkurrenzfähig sind und die Qualität der Versorgung schlechter wird.

Für den Patienten, dessen Leistungserbringer von dieser Regelung betroffen ist, bedeutet dies: Er kann nicht mehr durch den Leistungserbringer versorgt werden, der in seiner Nähe ist, von dessen Qualität und Kompetenz er überzeugt ist und zu dem er Vertrauen hat.

Um eine ortsnahe, qualitätsgesicherte und individuelle Versorgung der Patienten mit Hilfsmitteln weiterhin sicherzustellen, fordert der BVMed:

1. die uneingeschränkte Aufrechterhaltung des Patientenwahlrechtes,
2. eine Vielfalt qualifizierter Leistungserbringer und
3. einen freien Vertragswettbewerb.

Unser Appell an die Politik: Ja, wir müssen den Wettbewerb stärken. Aber wir wollen keinen Wettbewerb um billig, billig. Wir wollen einen Wettbewerb um die beste Qualität für den Patienten!

Bildmaterial zu allen Themen unter:
http://www.bvmed.de/bilderpool/Produkte/


Pressekontakt:

Manfred Beeres M.A.
Leiter Kommunikation/Presse
BVMed - Bundesverband Medizintechnologie
Reinhardtstr. 29 b
D - 10117 Berlin

Tel. (030) 246 255-20
Fax (030) 246 255-99
E-mail: beeres@bvmed.de
www.bvmed.de

BVMed - Gesundheit gestalten.


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