Medizintechnologie e.V.
Reinhardtstr. 29 b
D - 10117 Berlin
Tel. (030) 246 255 - 0
Fax. (030) 246 255 - 99
info@bvmed.de
Gesundheitspolitik
Drittes BVMed-Presseseminar: „Innovative Medizintechnologien dürfen den Patienten nicht vorenthalten werden“ – Der BVMed stellt „7 Punkte für ein innovationsfreundliches Klima im deutschen Gesundheitssystem“ vor
24.10.2002 - 72/02
Eine der größten Herausforderungen für das Gesundheitswesen wird es nach Ansicht des BVMed sein, den medizinischen Fortschritt und medizintechnische Innovationen auch künftig allen Patienten, die sie benötigen, ohne Verzögerung zur Verfügung zu stellen. Derzeit bestehe die Gefahr - und in zahlreichen Einzelfällen bereits die Realität -, dass den Patienten neue Behandlungsmethoden vorenthalten werden.
Der BVMed nennt u. a. folgende Beispiele:
- Durch moderne Wundversorgungsprodukte werden deutlich schnellere Heilungserfolge erzielt. Der schmerzhafte Verbandwechsel wird zudem erheblich reduziert bzw. vermieden.
- Bei der Anwendung von minimalchirurgischen Eingriffen werden teure und lange Liegezeiten in stationären Einrichtungen vermieden.
- die Anwendung von medikamentbeschichteten Stents bei Herzkranzgefäßverengungen senkt sich deutlich die Wiederverschlussrate. Dadurch werden erneute operative Eingriffe vermieden.
Immer häufiger werden jedoch durch einseitige ökonomische Betrachtungen, die eine Gesamtbetrachtung des Behandlungsfalles nicht zulassen, medizintechnische Innovationen, die international dem Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechen, in Deutschland den Patienten vorenthalten.
Zwei aktuelle Beispiele für Rationierungen sind:
- Jedes Jahr sind in Deutschland etwa 60.000 neue Patienten von einer gefährlichen Herzrhythmusstörung betroffen. Die beste Therapie ist der implantierbare Defibrillator. Doch in der Praxis erhält nur ein Bruchteil der Patienten diese innovative Behandlung.
- Ein weiteres Beispiel sind die Hirnschrittmacher zur Behandlung der Parkinsonschen Krankheit. Hier gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in Europa. Nur etwa 5 Prozent der Parkinson-Patienten in Deutschland, die von dieser Therapie profitieren könnten, erhalten eine solche Tiefenhirnstimulation.
Der BVMed tritt deshalb dafür ein, dass die derzeitigen Innovationshemmnisse wie die intransparente Entscheidungspraxis der Bundesausschüsse über neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die sektorale Budgetierung oder die derzeit fehlenden Qualitätsstandards bei Behandlungen, beseitigt werden.
1. Sieben Punkte für ein innovationsfreundliches Klima
Der BVMed stellt folgende sieben Punkte vor, die dazu beitragen, ein innovationsfreundliches Klima im deutschen Gesundheitssystem zu schaffen:
1. Alle Beteiligten am Gesundheitsmarkt, insbesondere Industrie und Handel, benötigen Planungssicherheit durch Kontinuität. Das bedeutet, dass die Zeit der hektischen Einzelmaßnahmen zur Kostendämpfung gegen den Widerstand der Opposition und der Mehrheit der Bundesländer vorbei sein muss. Wir benötigen ein langfristiges Reformkonzept, das auf eine breite Basis gestellt ist – unter Einbeziehung der Opposition, der Bundesländer, der Kassen, der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und der Hersteller.
2. Bei der anstehenden Gesundheitsreform darf die Frage nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten nicht länger ausgeklammert werden. Die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik bei gleichzeitiger Beitragssatzstabilität ist gescheitert. Medizinischer Fortschritt und demografische Entwicklung machen es zwingend erforderlich, optionale Finanzierungsmöglichkeiten einzuführen, wenn insgesamt an einem Solidarsystem festgehalten werden soll.
3. Die sektorale Budgetierung muss abgeschafft werden. Sie ist innovationshemmend und führt zur Rationierung von Gesundheitsleistungen. Das Gesundheitssystem muss sich an den medizinischen Bedürfnissen der Menschen orientieren.
4. Das neue Fallpauschalensystem im Krankenhaus (DRG-System) muss offen für Innovationen der Medizintechnologie bleiben. Gefragt sind flexible Lösungen zwischen den Vertragspartnern auf lokaler Ebene, um die Einführung von Innovationen außerhalb der jährlichen DRG-Pflege zu ermöglichen.
5. Die Bewertungsrelationen im DRG-Katalog dürfen innovative Verfahren der Medizintechnologie nicht benachteiligen. Im derzeitigen DRG-Katalog sind zahlreiche Bewertungsrelationen für Fallpauschalen mit hohem Sachkostenanteil deutlich unterbewertet. Die Selbstverwaltungspartner sind jetzt aufgefordert, für hochwertige medizintechnologische Verfahren sachgerechte Bewertungsrelationen zu vereinbaren bzw. die Fallpauschalen weiter zu differenzieren. Nur so kann auch in Zukunft die Patientenversorgung mit innovativen Medizintechnologien im Krankenhaus sichergestellt werden.
6. Die Aufnahme neuer Medizinprodukte und Behandlungsmethoden in den EBM-Katalog im ambulanten Bereich muss deutlich entbürokratisiert und beschleunigt werden. Gleiches gilt für Innovationen im Hilfsmittelbereich und deren Aufnahme in das Hilfsmittelverzeichnis. Wichtig ist zudem die Erarbeitung von Qualitätsstandards für den Hilfsmittelbereich und für Homecare-Therapien, die innovative Produkte und Verfahren berücksichtigen. In die Erarbeitung der Qualitätsstandards müssen die Hersteller einbezogen werden.
7. Die Entscheidungspraxis der Bundesausschüsse über neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (Technologiebewertung – Health Technology Assessment, HTA) muss transparenter sein und beschleunigt werden. Ein Vergleich z. B. mit der Bewertungstätigkeit der Eidgenössischen Leistungskommission (ELK) zeigt, dass die ELK mehr Bewertungen in kürzeren Zeiträumen durchführt (siehe Studie „Innovative Medizintechnologien im deutschen Gesundheitswesen“, Schwartz, Schöffski u. a., Norderstedt, Oktober 2002, im Internet unter www.bvmed.de, Publikationen – Studien). In der Geschäftsordnung der Bundesausschüsse sollte daher eine verbindliche Entscheidungsfrist von höchstens sechs Monaten festgelegt werden.
Außerdem muss den Herstellern Gelegenheit gegeben werden, an den Sitzungen teilzunehmen. Ein entsprechender Vorschlag des BVMed zu einer „fallbezogenen Expertenbenennung“ liegt vor. Wie in der Schweiz sollte auch in Deutschland die Möglichkeit eingeführt werden, eine Entscheidung der Bundesausschüsse anzufechten (kriteriengestütztes Appellationsrecht).
2. Bedeutung von Innovationen
Warum ist ein innovationsfreundliches Klima so wichtig? Weil wir nur dann in Forschung und Entwicklung investieren und gemeinsam mit Ärzten und Wissenschaftlern innovative Behandlungsmethoden entwickeln können, die Leben retten, Gesundheit erhalten und die Lebensqualität verbessern.
Im Durchschnitt werden von den europäischen Medizinprodukteherstellern rund 5 % ihres Jahresumsatzes in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte investiert (Commission of the European Union, 1996). Nach Angaben des Sachverständigenrats für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen wird die führende Rolle der deutschen Medizinprodukteindustrie dadurch untermauert, dass hier durchschnittlich 10 % des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert werden.
Es gibt kaum eine innovativere Branche als die Medizintechnologieindustrie! Knapp ein Viertel des Umsatzes erzielen Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit Produkten und Leistungen, die nicht älter als zwei Jahre sind (FAZ vom 7.10.2002). In der Medizinproduktebranche sind sogar mehr als die Hälfte der Produkte weniger als zwei Jahre alt!
Die Branche stützt sich auf Ärzte, Ingenieure und Wissenschaftler, die auf der ständigen Suche nach Lösungen für unsere Gesundheitsprobleme sind. Sie ist eine sehr dynamische Industrie, die sich aus hunderten, meist kleinen Unternehmen mit kreativen und unternehmerisch denkenden Menschen zusammensetzt. Investitionen in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte spielen in der Medizinprodukteindustrie eine besonders wichtige Rolle. Aufgrund steigender Investitionskosten, kürzer werdender Produktlebenszyklen und der zum Teil langen Dauer bis zur Markteinführung bzw. Erstattungsfähigkeit, ist auch das Forschungsrisiko gestiegen.
Deutschland braucht deshalb innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, damit neue Behandlungsmethoden und Produkte entwickelt werden können.
3. Eine erste Bewertung der Koalitionsvereinbarung
Personell bleibt an der Spitze des Gesundheitsministeriums alles beim Alten. Insofern bietet auch der Koalitionsvertrag keine Überraschungen. Positiv ist aus unserer Sicht, dass der neue Ressortzuschnitt die Chance bietet, die Sozialversicherungssysteme insgesamt zu reformieren und die Belastungen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit versicherungsfremden Leistungen zu beenden. Positiv ist auch, dass die Bundesregierung die Versorgungs- und Anwendungsforschung verstärken will.
Negativ ist: Die Koalitionsvereinbarung ist sehr allgemein gehalten. Die Industrie befürchtet, dass sie für eine zukunftsgerichtete Gesundheitsreform keine ausreichende Grundlage bietet. Drei kurze Anmerkungen zu Einzelpunkten:
:: Das Problem auf der Einnahmenseite der GKV wird durch die Heraufsetzung der Versicherungspflichtgrenze für Berufseinsteiger nicht gelöst. Der Effekt wird minimal sein und sehr spät einsetzen.
:: Die Einrichtung eines „Zentrums für Qualität in der Medizin“ mit unabhängigen Sachverständigen ist an sich eine gute Idee. Bedingung hierfür wäre aber, dass nach der Gründung des Zentrums die Bundesausschüsse aufgelöst werden. Denn ansonsten ist zu befürchten, dass bürokratische Prozesse weiter aufgebläht und die Einführung von Innovationen weiter verzögert werden.
:: Die Gesundheitspolitik muss den Wert von Medizinprodukten und die Bedeutung innovativer Medizintechnologien stärker anerkennen. Im Koalitionsvertrag ist an keiner Stelle von Medizinprodukten die Rede (z. B. S. 35 zur Gesundheitsforschung oder S. 53 ff.). Medizinprodukte sind unentbehrlich für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen.
Der BVMed bietet Gesundheitsministerin Schmidt – wie bereits in den vergangenen zwei Jahren bewiesen – unsere konstruktive Zusammenarbeit an. Klar ist, dass das Gesundheitssystem eine echte Strukturreform benötigt.
4. Eine Analyse der künftigen Herausforderungen
Das Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Die Probleme sind bekannt:
:: Die GKV-Einnahmen stagnieren durch die hohe Arbeitslosigkeit, den hohen Rentneranteil und die „Verschiebebahnhöfe“ zu Lasten der GKV.
:: Die GKV-Ausgaben werden weiter steigen durch die demografische Entwicklung, die gestiegene Nachfrage nach Gesundheitsleistungen aufgrund des erweiterten Gesundheitsbegriffs und durch den medizinisch-technischen Fortschritt.
Der Handlungsdruck zur Erneuerung, Verbesserung und Zukunftssicherung des deutschen Gesundheitssystems wächst. Kostendämpfungsmaßnahmen und Budgetierungen sind keine Zukunftslösung.
Klar ist: Der medizinisch-technische Fortschritt ist mit den endlichen Mitteln eines solidarischen Finanzierungssystems heutiger Art künftig nicht leistbar. Die Rationierung von Leistungen aufgrund einer Budgetpolitik kann aber kein Konzept der Zukunft sein.
Die Politik muss zu den gesetzlich Versicherten ehrlich sein: Wenn wir innerhalb eines solidarisch finanzierten Gesundheitssystems den medizinischen Fortschritt allen Patienten zur Verfügung stellen wollen, dann muss auch allen Beteiligten bewusst sein, dass entweder die Beiträge weiter steigen werden, oder alternative Finanzierungsformen gefunden werden müssen. Kein Gesundheitssystem der Welt – auch nicht das deutsche – kann mit begrenzten Mitteln unbegrenzte Leistungen versprechen.
Hauptziel der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in Deutschland muss es nach Ansicht des BVMed sein, auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Ernste Krankheitsrisiken sollen auch künftig wirksam und solidarisch abgesichert werden. Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssen sich zusammentun, um ein modernes Gesundheitssystem zu schaffen,
:: das Anreize für die optimale Behandlung schafft,
:: den Einsatz innovativer, effizienter Medizintechnologien ohne Verzögerungen zulässt und
:: einen bestmöglichen Einsatz der existierenden Informationstechnologien für Patienten, Anwender sowie alle übrigen Gesundheitspartner gewährleistet.
5. Bausteine für die künftige Gesundheitsreform
Wichtige Bausteine, die wir für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems brauchen, sind aus Sicht des BVMed:
:: Wir benötigen neue strukturpolitische Rahmenbedingungen in der Gesundheitsbranche, die sich am medizinischen Bedarf der Bevölkerung und nicht an Budgetierungen orientieren. Dabei muss die Gesundheitsreform auf eine möglichst breite Basis gestellt werden, damit Planungssicherheit durch Kontinuität entsteht. Der Vorschlag, die Gesundheitsreform in das Bündnis für Arbeit einzubinden oder eine „Hartz-Kommission für das Gesundheitswesen“ einzusetzen, wird deshalb von Industrie und Handel durchaus begrüßt.
:: Wir müssen bereit sein, über optionale Finanzierungsmodelle in der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht nur nachzudenken, sondern sie auch einzuführen. Der BVMed spricht sich dafür aus, die Einnahmenseite der GKV stärker in die Betrachtung zu ziehen und zu verbreitern.
:: Die Eigenverantwortung der Patienten muss erhöht werden werden. Erkennbare Vorsorge sollte in noch stärkerem Maße durch entsprechende Anreizsysteme gefördert werden.
:: Es müssen geeignete Instrumentarien bereitgestellt werden, um Ineffizienzen im Gesundheitssystem, soweit sie existieren und identifizierbar sind, zu beseitigen. Dazu gehört als Grundvoraussetzung mehr Transparenz und Wettbewerb im System, beispielsweise durch Benchmarking.
:: Die Diskussion über Gesundheitsziele muss vorangetrieben werden. Die Aufgabe aller Beteiligten im Gesundheitswesen muss es sein, messbare Zielvorgaben zu erarbeiten, um die Erreichung der Ziele überprüfen zu können. Dies wird eine der großen künftigen Herausforderungen sein. Darüber hinaus benötigen wir eine bessere Versorgungsforschung. Sie trägt dazu bei, die Behandlungsunterschiede in Europa besser zu verstehen und die besten und kosteneffektivsten Methoden und Therapien zu ermöglichen.
Auch Hersteller und Händler von Medizinprodukten müssen sich Ihrer Verantwortung für das Gesundheitssystem stellen und insbesondere für die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen
:: Information über neue Verfahren und Produkte sowie
:: gesundheitsökonomische Daten
einfach und übersichtlich aufbereiten.
6. Die wirtschaftliche Lage der Medizinproduktebranche
Positive Unternehmensergebnisse sind die Voraussetzung für die Innovationskraft der Branche, für die Investitionen in Forschung und Entwicklung. Wie ist die wirtschaftliche Lage der Unternehmen der Medizinproduktebranche?
Zunächst einige Marktdaten:
Die Medizinprodukteindustrie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Die Hersteller von Medizinprodukten beschäftigen in Deutschland über 100.000 Menschen.
Der Weltmarkt für Medizintechnologien betrug 2001 rund 170 Mrd. Euro. Deutschland ist nach den USA und Japan der drittgrößte Markt der Welt im Bereich der Medizinprodukte. Nach Schätzungen des BVMed beträgt der Gesamt-Inlandsmarkt rund 18 Mrd. Euro. Dies wird „untermauert“ durch die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Gesundheitsberichterstattung 1992-2000.
Von den 18. Mrd. Euro Gesamtausgaben im Bereich der Medizinprodukte entfallen
:: 7 Mrd. Euro auf den stationären Bereich (Sachkosten im Krankenhausbereich) sowie
:: 11 Mrd. Euro auf den ambulanten Bereich (Hilfsmittel, sonstiger medizinischer Bedarf, aber ohne Zahnersatz).
18 Mrd. Euro Inlandsumsatz mit Medizinprodukten: das ist weit mehr als der Umsatz des deutschen Handwerks (ca. 14 Mrd. Euro).
Zur Lage der BVMed-Mitgliedsunternehmen:
Die Konzentrationsprozesse in der Medizinprodukteindustrie sind noch nicht abgeschlossen.
Trotz der Umsatzsteigerung der BVMed-Mitgliedsunternehmen im ersten Halbjahr 2002 in Höhe von rund 5,5 Prozent kommt bei der Ertragssituation bei den Unternehmen keine Euphorie auf. Gründe sind u .a. der anhaltende Preisdruck und die gestiegenen Rohstoffkosten.
Die Bereiche „Implantate“ bzw. „OP-Material“ sowie Produkte zur Inkontinenz- und Stomaversorgung entwickelten sich aufgrund der weiter steigenden Krankenhaus-Fallzahlen sowie der demographischen Entwicklung positiv. Der Bereich der medizinischen Produkte für die Intensiv- und Krankenpflege entwickelte sich durchschnittlich, während der Verbandmittelbereich aufgrund der stagnierenden Nachfrage nur sehr verhalten wächst.
Für das Jahr 2003 gehen wir von weiteren Mengenausweitungen und damit von Absatzsteigerungen aus, allerdings bei weiter sinkenden Preisen.
Sollte die Budgetierungspolitik fortgesetzt werden, besteht die Gefahr, dass Unternehmen bislang unentgeltlich angebotene Dienstleistungen ausgliedern müssen.
7. Fallbeispiele für innovative Medizintechnologie
Herzerkrankungen wie Herzversagen oder Herzschwäche stehen im Mittelpunkt der Fallstudien des BVMed-Presseseminars 2002. Herz- und Kreislaufversagen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Im Jahr 2000 starben daran insgesamt 161.000 Männer und 233.000 Frauen. 73.000 Menschen starben an einem Herzinfarkt.
Die vorgestellten Innovationen:
1. Wirkstoffbeschichteter Stent
In der Kardiologie hat eine neue Ära begonnen. Auslöser sind wirkstoffbeschichtete Gefäßstützen (Stents), die die Wiederverengung von Herzkranzgefäßen durch Gewebewucherung verhindern. Erste, groß angelegte Studien (z. B. RAVEL-Studie) belegen, dass es sich bei dieser Innovation um eine echte „Revolution“ handelt, um die Restenose-Problematik in den Griff zu bekommen. In Deutschland werden derzeit rund 100.000 Koronarstents implantiert. Sinkt die Restenoserate gegen Null, werden dadurch im Gesundheitssystem – neben dem großen Nutzen für die Patienten – Folgekosten in erheblicher Höhe vermieden. Prof. Christoph Nienaber, Chefarzt Kardiologie der Universitätsklinik Rostock, und Wolfgang Witsch, Business Unit Director Kardiologie der Firma Cordis Medizinische Apparate GmbH in Langenfeld, stellen den „drug-eluting Stent“ vor.
Ausführlichere Informationen zu wirkstoffbeschichteten Stents im PDF-Format
2. Kunstherz
Da es nicht ausreichend Spenderherzen gibt, stirbt fast ein Drittel der zur Transplantation angemeldeten Patienten auf der Warteliste. Die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation beträgt in Deutschland derzeit rund 10 bis 12 Monate. Zur Patientenzahl: Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an Herzinsuffienz, davon versterben ca. 200.000 Personen. Für rund 2.500 wäre die Rettung durch eine Herztransplantation möglich, aber es stehen nur ca. 500 Spenderherzen pro Jahr zur Verfügung. Hier rettet das Kunstherz Leben. Dr. med. Dipl.-Ing. Johannes Müller, Vorstand der Berlin Heart AG und Oberarzt am Deutschen Herzzentrum in Berlin, stellt die Entwicklung bei innovativen Herzunterstützungssystemen bis hin zum implantierbaren Kunstherz vor. Die neue Generation von Kunstherzen ist dabei kleiner, leichter, leistungsstärker und leiser.
Ausführlichere Informationen zum Kunstherz im PDF-Format
3. Implantierbarer Defibrillator
Jedes Jahr sind in Deutschland etwa 60.000 neue Patienten von einer infarktbedingten schweren Herzschwäche betroffen. Die beste Therapie ist der implantierbare Defibrillator, der die Sterblichkeit deutlich um mehr als 30 Prozent senkt (MADIT II-Studie). Doch in der Praxis erhält nur ein Bruchteil der Patienten diese innovative Behandlung. Prof. Dr. med. Helmut U. Klein von der Medizinischen Fakultät der Universität Magdeburg, Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie, sowie Peter Heldt, Geschäftsführer der GUIDANT GmbH & Co. Medizintechnik KG, stellen die neuen Einsatzbereiche für die implantierbaren Defibrillatoren im Kampf gegen den plötzlichen Herztod vor.
Ausführlichere Informationen zu implantierbaren Defibrillatoren im PDF-Format
4. Inkontinenz
Das vierte Fallbeispiel des BVMed-Presseseminars soll das Krankheitsbild „Inkontinenz“ aus der Tabuzone herausholen und „salonfähig“ machen. In Deutschland gibt es 4 bis 5 Millionen betroffene Patienten, mindstens ebenso viele dürften daran leiden, ohne zum Arzt zu gehen - aber kaum einer spricht über Inkontinenz bzw. Blasenschwäche. Jürgen Baden, Channel Manager der SCA Hygiene Products GmbH, Mannheim, stellt innovative Inkontinenzhilfsmittel vor, die dem Patienten helfen, Hautirritationen minimieren, die stationäre Pflege erleichtern und damit den Pflegekräften helfen.
Ausführlichere Informationen zur Inkontinenz im PDF-Format
Bildmaterial zum Presseseminar
Diese Inhalte könnten für Sie ebenfalls interessant sein:
Neu: MedTech-Bilderwelten
Informationsfilm
Gebärmutter-Myome: Embolisation
Ein Blutgefäß ist plötzlich verstopft: Embolie. Ein Organ wird dadurch nicht mehr versorgt: Infarkt. – Ein bedrohlicher Vorgang? Nicht, wenn Mediziner ihn sich zu Nutze machen bei der Behandlung gutartiger Tumore in der Gebärmutter, den sogenannten Myomen. Durch die Myom-Embolisation könnten in Deutschland jährlich mehr als 140.000 Frauen von ihren heftigen Beschwerden befreit und vor der folgenschweren Entfernung ihrer Gebärmutter bewahrt werden. So wie Verena Helm. (Länge: 3:29 min)
> Gebärmutter-Myome: Embolisation
Aktuelle Themen
- Dekubitus
- Erhebungsbogen
- Erstattung
- Hilfsmittel
- Homecare
- Inkontinenz
- Kodex
- Medizinprodukte
- Medizinprodukteberater
- Medizinprodukterecht
- Nadelstichverletzungen
- Tracheostoma
- UDI
- Versorgungsstrukturgesetz
- Wundversorgung




