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Patientengeschichten
Bärbel Golze

52 Jahre
verheiratet, ein Sohn
Industriekauffrau
Krankheitsbild: Herzinsuffizienz
Von Herzinsuffizienz - oft auch als Herzschwäche bezeichnet - sind allein in Deutschland schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen betroffen, etwa 50.000 sterben pro Jahr daran. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Es wird im Laufe der Erkrankung immer schwächer. Das Zusammenspiel der vier Herzkammern geht dabei verloren. Die betroffenen Menschen sind ständig müde, bekommen nicht mehr genügend Luft und sind nur noch eingeschränkt belastbar.
Patientengeschichte:
1973 floh Frau Golze unter dem Armaturenbrett eines Peugeot aus der DDR nach Westdeutschland. Neunundzwanzigjährig wurde Frau Golze aufgrund eines Mammakarzinoms die rechte Brust entfernt, ein Jahr später wurde sie an derselben Brust nochmals operiert. 1995 Totaloperation aufgrund von Eierstockkrebs.
Seit 1997 klagte sie über Herzbeschwerden, die ihrer schweren Depression zugeschrieben wurden, die Herzmuskelschwäche wurde zunächst nicht erkannt.
Im Frühjahr 2000 gab sie der Kardiologe auf, weil die Medikamente ausgereizt schienen. Ihr Hausarzt bemühte sich weiterhin um sie und vermittelte sie an das Deutsche Herzzentrum in Berlin. Dort wurde sie Teil eines Herzschrittmacher-Forschungssprojektes. Im September 2000 wurde ihr nach eingehenden Untersuchungen ein 3-Kammer-Schrittmacher eingesetzt.
Frau Golze genießt heute lange Wanderungen und ist passionierte Steinesammlerin.
„Die Kardiologen in Berlin haben mir durch den Schrittmacher das Leben gerettet. Ich bin inniglich dankbar, dass ich nicht aufgegeben habe und mir letzten Endes doch geholfen werden konnte.“
Interview im Rahmen des Kunstprojekts "Künstler treffen Patienten":
Wie sind Sie zum Kunstprojekt gekommen?
Bärbel Golze: Durch ein wunderbares Schicksal wurde ich Teil eines Herzschrittmacher-Forschungsprojektes am Deutschen Herzzentrum in Berlin, das mich für das Kunstprojekt vorgeschlagen hat. Ich könnte mir ebenfalls vorstellen, dass man mich wegen meiner bewegten Lebensgeschichte ausgesucht hat, weil ich viel zu erzählen habe.
Wieso durch ein „wunderbares Schicksal“?
Bärbel Golze: Weil mich mein Kardiologe zu Hause mit meiner Herzmuskelschwäche bereits aufgegeben hatte, weil die Wirkung der Medikamente ausgereizt war. Dazu muss ich etwas ausholen. Kurz nach meiner Krebsoperation vor sechs Jahren bekam ich Atemnot. Ich hatte vorher einen schweren Infekt, ich bin immer wieder zum Arzt gegangen und habe ihm gesagt: ich kann keine Treppen mehr steigen, keine Wäsche mehr hochtragen, ich kann eigentlich gar nichts mehr machen und breche nur noch in Schweiß aus. Ich lag im Bett und bekam kaum Luft und hatte das Gefühl, ein Elefant stände auf meinem Brustkorb. Es wurde innerhalb eines halben Jahres so schlimm, dass mein Mann den ganzen Haushalt machen musste.
Als mein Hausarzt die Unterlagen vom Kardiologen bekam, sagte er, dass könne er nicht fassen und er wolle mich noch einer anderen Stelle zeigen, dem Deutschen Herzzentrum in Berlin nämlich. Ob ich bereit sei, einmal dorthin zu fliegen? Das Schicksal hat es dann so gewollt, dass meine medizinischen Werte genau den Voraussetzungen für das Herzschrittmacher-Forschungsprojekt entsprachen. In einem zweiten Forschungsprojekt bekam ich dann mit zehn anderen Patienten einen 3-Kammer-Herzschrittmacher eingesetzt.
Haben Sie bei einer Krankengeschichte, die mit 29 Jahren begann und sich bis heute durch Ihr Leben zieht, nie den Mut verloren?
Bärbel Golze: Zwischendurch schon, aber ich habe mich niemals aufgegeben. Ich habe viel mit mir vertrauten Menschen gesprochen und nie im Leiden den Sinn des Lebens gesucht. Ich freute mich an den kleinen Dingen und sie gaben mir Kraft: Es ist der Windhauch, der glücklich machen kann, es sind die Blumen sowieso. Es ist ein schöner Urlaub, auch wenn man keine großen finanziellen Mittel hat woanders hinzufahren, so kann man es sich auch zu Hause schön machen. Meine Zuversicht und mein Glaube, dass ich vom Herrgott und den Engeln beschützt werde, hat mir dabei sehr geholfen.
Wie geht es Ihnen heute?
Bärbel Golze: Mein Alltag sieht so wie der einer Gesunden aus. Nicht ganz, ein paar Einschränkungen gibt es schon. Die feuchte Sommerhitze macht mir zum Beispiel zu schaffen, ich schwitze dann gleich immer so doll. Aber sonst läuft alles wie vor meiner Erkrankung. Ich kann wieder Rad fahren, ich kann die schwere, nasse Wäsche wieder aus dem Keller in den ersten Stock tragen und wenn wir im Urlaub sind, kann ich von morgens bis abends laufen, ohne erschöpft zu sein. Es geht mir einfach gut.
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