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Aufsätze
2011-02: BVMed-Medienservice zum künstlichen Gelenkersatz in Deutschland
Krankheitsbild Arthrose
Gelenkverschleiß oder Arthrose ist ein Volksleiden. Es handelt sich dabei um eine krankhafte alters- und belastungsbedingte Abnutzung der natürlichen Knorpelschicht. Mehr als die Hälfte aller Deutschen über 50 Jahre ist zumindest an einem Gelenk davon betroffen. Arthrose ist der häufigste Grund für die Implantation eines künstlichen Gelenks.
Gelenke stellen die bewegliche Verbindung zwischen zwei Knochen dar. Die Gelenkoberflächen sind mit einer glatten knorpeligen Gleitschicht versehen, die für einen reibungslosen Bewegungsablauf sorgt. Alle Gelenke des Körpers können von Gelenkverschleiß betroffen sein. Besonders häufig findet man die Zerstörung des Knorpels in den Knie- und Hüftgelenken.
Zu den Risikofaktoren für den Gelenkverschleiß zählen Übergewicht, Fehl- oder Überbelastung der Gelenke, erbliche Faktoren, Stoffwechselerkrankungen oder Gelenkverletzungen
Was mit leichten Beschwerden beim Gehen beginnt, mündet oft in Schmerzen selbst in Ruhe und einer erheblichen Einschränkung der Mobilität. Die Lebensqualität bleibt auf der Strecke. Einerseits werden die Betroffenen immer jünger. Andereseits nimmt der Anteil älterer Arthroseerkrankter zu, denn Gelenkverschleiß ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses.
Heilbar ist Arthrose nicht, da einmal zerstörte Knorpelzellen nicht mehr von selbst nachwachsen. Wenn konservative Methoden wie Medikamente oder Physiotherapien ausgeschöpft sind, kann gegen die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen ein künstliches Gelenk helfen.
Endoprothetik in Zahlen
Die Implantation von künstlichen Gelenken, den so genannten Endoprothesen, zählt heute zu den Routineoperationen. Jährlich erhalten rund 400.000 Deutsche ein künstliches Gelenk. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 210.000 künstliche Hüftgelenke sowie 165.000 künstliche Kniegelenke implantiert. Hinzu kommen Schulter-, Ellenbogen- und Fingergelenke sowie Sprung- und Großzehengrundgelenke.
Die steigende Lebenserwartung in den Industrienationen und die damit einhergehende zunehmende Häufigkeit des Gelenkverschleißes sorgen für wachsenden Bedarf an Hüft- und Kniegelenkersatz.
Nutzen für den Patienten
Die Gelenkersatzoperation gilt als eine der erfolgreichsten chirurgischen Eingriffe. Meist fühlen sich Menschen, die sich für ein künstliches Gelenk entscheiden, nach der Operation wie befreit: Endlich wieder ein ganz normales Leben. Ihr neues Hüft- oder Kniegelenk lindert dabei in der Regel nicht nur ihre Beschwerden. Es trägt auch dazu bei, ihnen ihre Beweglichkeit wiederzugeben oder sie zu erhalten – eine wichtige Voraussetzung für ein aktives und zufriedenes Leben.
Nach der Implantation können die Patienten oft schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren und die meisten ihrer früheren Aktivitäten wieder aufnehmen, sofern sie ihr Gelenk dabei nicht übermäßig belasten. Selbst Sportbegeisterte müssen nach dem Eingriff nicht auf körperliche Aktivität in der Freizeit verzichten. Im Gegenteil: Moderater Sport fördert den Aufbau natürlicher Knochensubstanz und stärkt die Muskulatur, die das künstliche Gelenk stützt und ihm Halt gibt. Nach dem Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks gelten unter anderem Wandern, Walking, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren, Kegeln (Bowling), Gymnastik in Form von Dehnungs- und Kräftigungsübungen sowie Rudern und Paddeln als gelenkschonend. Hingegen sind Leistungs- und Wettkampfsport sowie Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen wie beispielsweise Squash eher ungeeignet. Die Auswahl einer geeigneten Sportart sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Vorteile für Patienten durch moderne Gelenkprothetik auf einen Blick
• Weniger Schmerzen Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes durch moderne Operationstechniken
• Schnelle Wiedereingliederung in den Alltag und das Arbeitsleben
• Lange Standzeit durch qualitativ hochwertige Prothesen
• Spezielle Prothesen und knochenschonende Verfahren erhalten so viel wie möglich eigene Knochensubstanz
Operationsmethoden und Materialien
Welche Operationstechnik und Prothese für den Patienten am besten geeignet sind, hängt von vielen Faktoren ab: beispielsweise dem genauen Krankheitsbild oder der Knochenqualität des Patienten. Die Auswahl der am besten geeigneten Implantate und Materialien ist also immer eine individuelle Entscheidung.
Genau wie bei Gegenständen des täglichen Gebrauchs spielt auch bei Prothesen neben der individuellen Beanspruchung die Qualität eine wichtige Rolle. Implantate aus körperverträglichen und hochabriebfesten Materialien tragen zu einer langen Lebensdauer des künstlichen Gelenks bei.
Hochwertige Implantate zeichnen sich durch eine wissenschaftlich nachgewiesene hohe Belastbarkeit und lange Lebensdauer aus. Ein Arthrose-Patient sollte sich vor seiner Operation umfassend über die verfügbaren Möglichkeiten und angewandten Operationstechniken erkundigen, bevor er sich für eine Klinik entscheidet.
Für jede Indikation – also jedes Krankheitsbild – sind in der Endoprothetik in der Regel verschiedene Prothesenmodelle verfügbar. Sie unterscheiden sich hinsichtlich des Designs, der Größen und der Biomechanik. Auch die Auswahlmöglichkeit bei Materialien ist vielfältig: Je nach Modell werden heute Standardimplantate aus Stahl, Kobalt-Chrom-Legierungen, Titanlegierungen, Kunststoff und Keramik mit- oder untereinander kombiniert.
Bei der Verwendung von Knochenzement kommen in der Regel Implantate aus Stahl oder Kobalt-Chrom zum Einsatz. Bei zementfreien Prothesen wird Titan verwendet, das auf Grund des hervorragenden knöchernen Einwachsverhaltens als Implantatwerkstoff immer breitere Verwendung findet. Moderne Implantat-Werkstoffe zeigen eine hohe Korrosionsbeständigkeit und Biokompatibilität.
In der Endoprothetik gilt es, den Abrieb innerhalb der gegeneinander reibenden beweglichen Teile der Prothese (die sogenannte „Gleitpaarung“) zu reduzieren. Die Abriebpartikel stehen in direktem Zusammenhang mit frühzeitigen Lockerungen von Prothesen. Den Operateuren stehen unterschiedliche Gleitpaarungen zur Verfügung.
Seit Beginn des neuen Jahrtausends stand die Entwicklung neuer Materialien nicht still.
• Hochvernetztes Polyethylen, das ursprünglich als konsequente Weiterentwicklung von herkömmlichem Polyethylen zur Verringerung des Abriebs im künstlichen Hüftgelenk eingesetzt wurde, findet nunmehr auch Verwendung in der Kniegelenksprothetik. Zur gleichen Zeit etablierte sich die moderne Keramikgleitpaarung weiter, die von allen Gleitpaarungen am meisten abriebfest ist.
• Genau auf einander abgestimmte Gleitpaarungen verfolgen das Ziel, den Abrieb möglichst gering zu halten. Als Gleitpaarungen stehen zur Verfügung: Keramik/Keramik, Metall/Metall, Keramik/Polyethylen, Metall/Polyethylen, Die Metall/Metall-Gleitpaarungen befinden sich derzeit auf dem Rückzug.
Moderne Lösungen und Weiterentwicklungen
Die Forschungsanstrengungen der Implantatehersteller zur Weiterentwicklung und Verbesserung des künstlichen Gelenkersatzes sind enorm. Alle großen Implantatehersteller unterhalten eigene Grundlagenlabors, die sich mit der Tribologie, der Biomechanik oder dem Anwachsverhalten von Materialien an den Knochen auseinandersetzen. Hieraus ergeben sich unterschiedlichste Ansätze, um neue und noch bessere Implantate zu entwickeln. Ziel ist es, die Haltbarkeit bzw. die Standzeit der Implantate zu verbessern.
• Für die Erstoperation an der Hüfte bieten derzeit sogenannte zementfreie „Kurzschäfte“ neue Möglichkeiten. Da die Patienten zum Zeitpunkt der Erstoperation immer jünger werden, ermöglichen knochensparende Prothesenmodelle eine zusätzliche Stufe der Versorgung. Die Kurzschaftprothesen bauen hierbei auf den Erfahrungen mit Standardschäften auf.
• Für die so genannte „Wechsel-Endoprothetik“, also Indikationen, bei denen ein künstliches Gelenk ausgetauscht werden muss, stehen modulare Baukastensysteme zur Verfügung. Hierbei können patientenindividuell einzelne Bauteile miteinander kombiniert werden.
Weitere Anstrengungen in der Gelenkprothetik werden in Richtung neuer Operationsverfahren unternommen. Sie sollen dem Arzt ermöglichen, seine Patienten muskel- und gewebeschonender zu operieren (sogenannte „minimal invasive Chirurgie“). Hieraus entstehen auch neue Anforderungen an den Operateur und an das Implantat. Ein weiterer Schritt ist der Einsatz von computerunterstützten Navigationssystemen.
Moderne Beschichtungen
Moderne Beschichtungen helfen, das Einwachsverhalten zu optimieren. Dazu gehören Hydroxylapatit (HA), Titan Plasma Spray (TPS), Bone Morphogenetic Proteins (BMP), oder silikatisierte/silanisierte Oberflächenbeschichtungen.
Ein weiterer Aspekt sind sogenannte „Anti-Infektions-Beschichtungen“. Das Auftreten multiresistenter Keime, oftmals mit Resistenzen gegen das häufig im Knochenzement verwendete Gentamicin verbunden, macht eine adäquate Vorbeugung zur Vermeidung von schwer behandelbaren Protheseninfektionen notwendiger denn je. Das ist Anlass für die Hersteller, nach Metallen mit noch besseren (antibakteriellen) Eigenschaften als im Vergleich zu Titanlegierungen zu suchen. Beispielsweise sind Silber und Kupfer Elemente, die antibiotisch wirken und eine geringe Toxizität aufweisen.
Haltbarkeit der künstlichen Gelenke
Derzeit spricht man von einer Haltbarkeit eines Hüftgelenkersatz-Implantates von durchschnittlich 12 bis 18 Jahren. Auf Grund des Einsatzes neuer Materialien für die Gleitpaarung ist mit einer längeren Lebensdauer auch bei jüngeren sowie aktiven Patienten zu rechnen.Das Wort „durchschnittlich“ impliziert bereits Abweichungen in beide Richtungen. Zum einen können einzelne Prothesenmodelle deutlich länger halten als andere. Zum anderen kann die Lebensdauer einer Prothese auch deutlich unter dem Durchschnitt liegen.
Denn es gibt mehrere Faktoren, die die Lebensdauer einer Prothese negativ beeinflussen können. So können sich Prothesen durch Unfälle, Überlastungen, Osteoporose oder Materialabrieb bereits nach wenigen Jahren lockern. Eine Wechseloperation wird dann zur Notwendigkeit.
Patienten müssen wissen, welche Belastung sie „ihrer Gelenkprothese“ zumuten können, und sollten sich deshalb mit ihrem Arzt besprechen. Grundsätzlich ist Vorsicht geboten bei körperlichen Aktivitäten, die mit starken Stauch- und Drehbelastungen des Gelenkes einhergehen. Sprung- sowie Ballsportarten mit Gegnerkontakt und plötzlichen Richtungswechseln, wie z.B. Fußball, Handball, Skiabfahrtslauf oder Judo, bergen Risiken.
Qualitätssicherung durch ein Endoprothesenregister
Die Unternehmen der Medizintechnologie setzen sich für eine stärkere Qualitätsorientierung im deutschen Gesundheitssystem ein. Zur Qualitätsoptimierung gehören klinische Studien und Risikoanalysen beim Entwicklungsprozess von Medizinprodukten, Leitlinien und Qualitätsstandards bei der Anwendung sowie Marktbeobachtungssysteme. Dabei helfen beispielsweise Register, um Qualität transparenter zu machen.
Beim künstlichen Gelenkersatz haben die im BVMed vertretenen Endoprothetik-Unternehmen frühzeitig ihre Bereitschaft signalisiert, an einem Endoprothesenregister mitzuwirken. Die Unternehmen haben in einer Projektgruppe mitgewirkt, die ein Konzept für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erstellt hat.
Primäres Ziel eines Endoprothesenregisters ist es, die Ergebnisqualität der endoprothetischen Versorgung zu messen, vergleichend zu bewerten und zu verbessern. Daran haben alle an der Endoprothesenversorgung beteiligten Gruppen ein großes Interesse.
Für die Einrichtung eines Endoprothesenregisters ist die Zusammenführung von drei unterschiedlichen Datensätzen erforderlich: die Routinedaten der Krankenhäuser, die pseudonymisierten Patientendaten der Krankenkassen sowie die Produktdaten der Implantatehersteller. Die BVMed-Mitgliedsunternehmen stellen sich ihrer Verantwortung und sind bereit, die erforderlichen Herstellerdaten zur Verfügung zu stellen und den Aufbau der Implantate-Referenzdatenbank inhaltlich zu begleiten und entsprechend zu finanzieren. Entsprechende Aussagen der Industrie liegen seit langem vor.
Wesentliche Grundlage für den Erfolg eines Registers ist aus Sicht der Industrie, dass es sich insgesamt um ein unabhängiges Register handelt und die ausgewerteten Daten durch die Sicherstellung der Neutralität eine entsprechende Aussagekraft haben. Daher ist die Zusammenführung der Daten, das Betreiben und die Auswertung des Endoprothesenregisters von den anderen Beteiligten zu finanzieren.
Wichtig ist dem BVMed eine angemessene Einbindung der medizinischen Fachgesellschaften und der Expertise der Hersteller in die Entwicklung der Qualitätsparameter und Auswertungen der Registerdaten.
Darüber hinaus müssen die Ergebnisse den meldenden Firmen und Krankenhäusern umfänglich und zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass etwaige Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und schnell die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden können.
Mitglieder im Endoprothetik-Fachbereich des BVMed sind die Unternehmen:
aap Implantate AG; AESCULAP AG; Biomet Deutschland GmbH; CeramTec AG; Corin Germany GmbH; DePuy Orthopädie GmbH; Heraeus Medical GmbH; Mathys Orthopädie GmbH; Peter Brehm GmbH; Smith & Nephew GmbH; Stryker GmbH & Co KG; SYNTHES GmbH; Tornier GmbH; Waldemar Link GmbH & Co KG; Zimmer Germany GmbH
Medienkontakt BVMed:
Manfred Beeres, Leiter Kommunikation/Presse, Pressesprecher
BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V., Reinhardtstr. 29 b, 10117 Berlin
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E-mail: beeres@bvmed.de, www.bvmed.de
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Mehr Informationen im Internet unter:
http://www.bvmed.de/themen/Endoprothetik
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> Fortschritte beim Gelenkersatz
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